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Akademie der Muße

 

IMPULSE

Neugier


von Anselm Bilgri

Etymologisch bedeutet Neugier: die Gier nach Neuem.

Dabei fällt gleich auf: Die Gier als eines der sieben Hauptlaster der christlichen Ethik und der drei Geistesgifte des Buddhismus ist eindeutig negativ besetzt. Die Neugier hingegen ist ambivalent. Sie kann beides sein: negativ und positiv. Eindeutig negativ, wenn sie übertrieben wird und sich vor allem um das (private) Ausspionieren von Personen und deren Umfeld dreht. Dann kann Neugier auch krankhaft werden. Positiv bewerten wir die Neugier, wenn sie als Wissensbegierde auftritt. Thomas von Aquin, der große mittelalterliche Theologe und Philosoph, unterscheidet das Laster „curiositas“ von der Tugend „studiositas“. Damit wird sehr schnell deutlich: ohne Neugier würde es keinen wissenschaftlichen oder technischen Fortschritt geben.

Ausgewogene Neugier fördert Intelligenz und Kreativität. Schon in der Antike wusste man dies. Für Herodot war die Neugier nach historischen Zusammenhängen das Hauptmotiv dafür, Geschichtsschreiber zu werden. Für die ionischen Naturphilosophen war sie der Antrieb, „hinter die Dinge“ schauen zu wollen, ebenso für Platon, für den das „Staunen“ (griechisch „thaumazein“) den Anfang aller Philosophie darstellte. Über Goethe schreibt der Biograph Hannes Stein: "Seine größte Tugend war seine Neugier - dieser Mann wollte tatsächlich etwas wissen, wollte alles durchstreifen, auskosten, herauskriegen. Noch dort, wo er irrte, war er groß." Albert Einstein, sagte einmal von sich: "Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig."
 


von Nikolaus Birkl
 

Neugier ist eine wesentliche Kernkompetenz für ein glückliches Leben:
 
Wenn wir akzeptieren, dass das Leben aus ununterbrochener Veränderung besteht, dass wir also eingebettet sind in den ewigen Fluss der Zeit, dann müssen wir auch akzeptieren, dass uns ununterbrochen Neues und Unbekanntes begegnet. Menschen, die gegenüber Veränderungen skeptische oder sogar ängstliche Gefühle entwickeln und gerne hätten, dass alles bleibt wie es (bekannt und scheinbar sicher) ist, leben ihr Leben gegen die Dynamik des Lebens. Das ist anstrengend, unfruchtbar und sehr oft die Ursache für Leid.
 
Damit meine ich nicht, dass wir es aufgeben sollten, die Dinge beizubehalten und beständig zu machen, die uns lieb und wert sind, soweit uns das gelingen kann. Ich meine, unsere Grundhaltung sollte in der Akzeptanz bestehen, dass uns ständige Veränderung umgibt und dass diese ein normales Geschehen ist, gleichgültig, ob wir aus unserem Blickwinkel das Neue als begrüßenswert oder als bedrohlich wahrnehmen. Ist das Neue, uns (noch) Fremde ein Phänomen, dem wir offen und mit Neugier („Was kann das bedeuten?“ – „Was kann das bewirken?“ – „Wie geht es weiter?“) entgegengehen, so haben wir für den unausweichlichen Weg in die Zukunft wesentlich mehr Wahrnehmungs- und Reaktionsmöglichkeiten, als wenn wir uns hierdurch gestört, verunsichert und behindert fühlen.

Mit einer solchen verunsicherten inneren Haltung werden wir vornehmlich versuchen, die Veränderung zu verhindern, unsere Handlungsoptionen sind wesentlich begrenzter. Mit einem neugierigen, dem Neuen und Fremden gegenüber offenen Blickwinkel auf die Welt und das Leben hingegen sehen wir wesentlich mehr Aspekte einer Veränderung und können uns daher freier entscheiden, in welche Richtung wir die kommenden Ereignisse und unser Verhalten in ihnen steuern wollen. Wenn hieraus dann Abwehr entsteht, ist sie das Ergebnis einer freien Entscheidung, die mehr Gesichtspunkte berücksichtigen konnte, als sie entstehen könnten, wenn die Veränderung von vornherein als suspekt, unsicher und gefährlich wahrgenommen würde. Oft entdecken wir aber bislang nicht gesehene Chancen oder neue Wege.
 
Ich plädiere daher für Neugier in Form einer Lebenshaltung, die akzeptiert, immer wieder Sicherheit in der Unsicherheit der Veränderung suchen zu müssen, und damit in die kürzeste Definition von Glück führt, die ich kenne: „Was ist, darf sein.“
 


INTERVIEW zum Thema "Neugier"

 

mit Dr. des. Nassima Sahraoui
Philosophin und Autorin

von Gina Ahrend
 
Als Wissenschaftlerin ist „Neugier“ sicher für Sie eine Eigenschaft, die Sie auszeichnet?
Neugier ist sicherlich eine vorteilhafte Eigenschaft für jeden Wissenschaftler. Ein gewisses Maß an Neugierde ist vielleicht sogar notwendig, um die Suche nach einem Zugewinn an Wissen anzustoßen. Schließlich steht die Neugier symbolisch für Wissbegierde, also dafür, dass man den Horizont erweitern und den inneren Ursachen der Dinge auf den Grund gehen möchte, um so mehr über die Welt und das, was in ihr vorgeht, in Erfahrung zu bringen. Wissenschaftliche Neugier kann also ein Antriebsmotor dafür sein, die eigene Forschung voranzutreiben. Die Neugier schöpft aus diesem Streben nach mehr Wissen ihren Wert und erhält dadurch ihren tugendhaften Charakter. Es handelt sich hierbei gewissermaßen um ihre positive Seite. Allerdings ist dieses neugierige Streben zunächst einmal nicht kanalisiert, d. h. also unsortiert und ungeordnet. Der Neugier muss daher an einem bestimmten Punkt Einhalt geboten werden. Nur so kann mit der nötigen Gelassenheit und mit Scharfsinn dem eigentlichen wissenschaftlichen Arbeiten nachgegangen werden, und dieses wiederum erfordert weniger einen ungestümen und ungehemmten Wissensdrang als vielmehr eine beständige Fokussierung auf die Sache selbst. Die Neugier ist also ein ambivalenter Begriff und sollte noch einmal genauer differenziert werden, schließlich steckt im Begriff Neu-Gier auch die Gier und diese wiederum hat bekanntlich einen schlechten Ruf.
 
Im klassischen westlichen Kanon der Philosophie wird der Ursprung jener Suche nach mehr Wissen eher im Staunen bzw. Taumeln (dem thaumazein) verortet. Dass sich dieses Staunen nicht zwangsläufig in einem neugierigen Hinterfragen der Sachen erschöpft, wurde bereits von Martin Heidegger festgestellt.
 
„Gier auf Neues“ – darin steckt auch das Wort „Gier“, das negativ behaftet ist. Dann schlägt Neugier um in Sensationslust. Sehen Sie das auch so? Ab wann ist Neugier kritisch?
Wie eben schon angedeutet, ist Neugier ein ambivalenter Begriff. So wie auch die wissenschaftliche Neugier in ungehemmter Form nicht zu idealen Ergebnissen führt, so hat auch übermäßige soziale Neugier ihre negative Seite. Diese kommt immer dort zum Vorschein, wo Menschen dazu neigen, zu viel über andere wissen zu wollen. Anstelle von echtem Interesse stehen hier oftmals egoistische Interessen im Vordergrund. Besonders neugierige Menschen sind einerseits vielleicht frustriert mit dem eigenen Leben oder mit Entscheidungen, die sie getroffen haben und meinen doch andererseits, sich in einer erhabenen Position zu befinden, die es ihnen scheinbar ermöglicht, das Verhalten und Handeln des anderen bewerten und beurteilen zu können. Und das in der Regel leider ohne zu beachten, dass dies gegebenenfalls von der neugierig beäugten Person als Eingriff in die eigene Lebenswelt betrachtet wird, ohne also auf die für ein gemeinschaftliches Zusammenleben notwendige Wahrung der Privatsphäre und der Entscheidungsfreiheit zu achten. Diese Schaulust kann schnell zu einer Form der sozialen Überwachung führen, die leider aber eigenen Bewertungskriterien anstelle allgemeingültiger Gebote der Höflichkeit und Distanzwahrung folgt. Wenn dann auch noch das, was man so meint beobachtet zu haben, an die Öffentlichkeit getragen wird, dann sind wir schnell bei Spekulationen und manchmal sogar bei übler Nachrede und im schlimmsten Fall bei Stalking oder Mobbing. Dies kann schlimme Folgen für die betroffenen Personen haben. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Glauben, Meinen und Wissen – gerade im Falle der Neugier ist es sehr wichtig diese Unterscheidungskriterien anzulegen.
 
In unserer heutigen Welt, die immer mehr auf Transparenz ausgelegt ist – von der Architektur bis hin zu den sozialen Medien – spielt die Neugier in Form der Schaulust eine unglaublich große Rolle. Daher ist es umso wichtiger, den Begriff der Neugier im Kontext der gegenwärtigen Kulturpraktiken und der Dynamiken des ökonomischen Systems zu lesen.
 
Lesen Sie hier das komplette Interview.

Nassima Sahraoui ist eine Philosophin aus Frankfurt am Main. Sie war Fellow an der Universität Hamburg, am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover und lehrte am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Goethe Universität Frankfurt sowie Gesellschaftstheorie und Ethik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Politischen Theorie, an den Schnittstellen zwischen Philosophie und Literatur, der Philosophie der Geschichte und Geschichte der Philosophie, Kritischen Theorie und Dekonstruktion und bei Autoren wie Hannah Arendt, Walter Benjamin, Jacques Derrida und Martin Heidegger.

Nassima Sahraoui ist Autorin und Mitautorin mehrerer Bücher und Gründungsmitglied zweier internationaler Workshop-Reihen: eine zum Begriff der Gewalt Violence in Literature and Philosophy und die andere zu Walter Benjamins Philosophie und hat mit zahlreichen Forschungsinstituten und Wissenschaftlern kooperiert. Sie ist regelmäßig zu Vorträgen auf Konferenzen und Symposien rund um den Globus eingeladen. Demnächst erscheint ihr Buch Dynamis. Eine materialistische Philosophie der Differenz (Bielefeld 2020). Zudem arbeitet sie an einem interdisziplinären Projekt über Formen und Figuren des Widerstandes.

Gerne verlinken wir auf ihr Buch "Kleine Philosophie der Faulheit", den Sammelband zu Walter Benjamin sowie auf ihr neues Buch "Dynamis", das im Transcript-Verlag erscheinen wird.

RÜCKBLICKE

Salon im Café Luitpold in München am 05.03.2020
mit Dr. phil. Christoph Quarch

Am 05.03.2020 waren Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl im Rahmen unserer "Diskurse für eine gelassene Lebensführung" im Gespräch mit Christoph Quarch, Jahrgang 1964, Philosoph und evangelischer Theologe. Sein Schwerpunkt liegt auf der philosophischen Praxis. Wie kann unser Leben gelingen? Diese Frage der alten Griechen nach dem „glückenden“ Leben treibt auch ihn um. Wie können die klassischen Tugenden für unsere Zeit neu formuliert werden?

Quarch ist erfolgreicher Publizist und ein gefragter Gesprächspartner in vielen Rundfunkanstalten. Er möchte diese Themen der sinnorientierten Führungskunst auch in die Unternehmen tragen. Christoph Quarch war damit ein ausgewiesener Fachmann für unseren Diskurs für eine gelassene Lebensführung.

Klicken Sie auf das Bild und erfahren Sie mehr.

1. virtuelles Symposion "Zuversicht" am 25.05.2020

Für den 25. Mai hatten wir erstmals ein online-Symposion per Zoom angekündigt – und haben uns über gute Resonanz freuen können. Aus Augsburg, Berlin, Starnberg, Wolfratshausen, und Zornheim hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugeschaltet. Ein positiver Aspekt, dass in der digitalen Form auch Menschen von weit her teilnehmen können, die sonst nicht extra nach München reisen würden.

Unser Thema in diesen schwierigen Zeiten Ende Mai hieß „Zuversicht“. Angekündigt hatten wir es so: „Zuversicht ist kein rosaroter Optimismus, sondern eine illusionslose Haltung, aufgrund derer man sich, trotz aller Probleme, nicht entmutigen lässt. Ursprünglich beschrieb das Wort nur das „Voraussehen auf die Zukunft", egal ob diese nun gut oder schlecht erschien. Erst im Laufe der Zeit wurde der Begriff aufgeladen mit der Erwartung dessen, was man sich wünscht. Bis heute schwingt in der Zuversicht ein Mollklang mit, der gutgelaunten Optimisten völlig fremd ist.“

Zuversicht können wir angesichts der Pandemie in der Tat alle gut brauchen. Eine gute Stunde sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Begriff nachgegangen. Einig war man sich, dass „Zuversicht“ ein Begriff ist, der eine nach vorne, in die Zukunft gerichtete Haltung ausdrückt. Stärker als „Hoffnung“ und realitätsbezogener als „Optimismus“. Zuversicht spüre ich in mir, ist selbstreferentiell, während „Hoffnung“ fremdreferentiell ist, mehr von äußeren Faktoren abhängt.

Das virtuelle Symposion hat nicht nur den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Freude gemacht, sondern auch den Veranstaltern, so dass wir diese Form des Austausches auf jeden Fall fortführen werden!
 

Salon im Café Luitpold in München am 08.09.2020
mit Dr. Christiane Raabe

Im Rahmen unserer „Diskurse für eine gelassene Lebensführung“ konnten wir am 08.09.2020 im Palmengarten des Café Luitpold Frau Dr. Christiane Raabe, die Leiterin der Internationalen Jugendbibliothek, zum SALON LUITPOLD begrüßen. „Wir“, das waren an diesem Abend die bekannte Rundfunkmoderatorin und Leiterin der Redaktion Wissen und Bildung beim Bayerischen Rundfunk Dr. Jeanne Rubner und Dr. Nikolaus Birkl. Anselm Bilgri war kurzfristig erkrankt und Jeanne Rubner war dankenswerter Weise bereit, diesen interessanten Abend mitzugestalten.
 
Christiane Raabe ist seit 2007 Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek in der Blutenburg/München, sie hat viele internationale Projekte, etwa das White Ravens Festival für internationale Kinder- und Jugendliteratur, begründet und zahlreiche Ausstellungen, darunter eine große Ausstellung zur internationalen Märchenillustration, kuratiert. 2014 wurde sie mit der Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa ausgezeichnet. Außerdem ist sie u. a. Vorstandsvorsitzende der Ellis Kaut Stiftung. Christiane Raabe ist Mitglied im Kuratorium der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
 
Es gestaltete sich ein spannender Dialog zwischen Christiane Raabe, Jeanne Rubner und Nikolaus Birkl über die Bedeutung von Kinder- und Jugendliteratur für die heutige Jugend und um das Spannungsfeld einer Jugend zwischen Literatur und Social Media. Intensiv wurde auch die Frage diskutiert, wie „korrekt“ Kinder- und Jugendliteratur sein muss und sein darf („Jim Knopf“ als schwarzes Baby und schwarzer Junge, der „Neger-König“ als Pipi Langstrumpfs Vater etc.). Es ging um den Wert von Märchen und letztlich darum, dass „Gelassenheit“ nicht das primäre Ziel von Literatur für Kinder und Jugendliche sein kann. Die Diskussion mit dem Publikum war intensiv und andauernd. 
 
Wir danken Christiane Raabe für Ihr so fundiertes Wissen, das sie mit hoher Präsenz und großem Charme zeigte, sowie Jeanne Rubner für Ihre große Erfahrung und Spontaneität, die sie engagiert und auch humorvoll eingebracht hat. – Es war ein gelungener Abend!



und freuen Sie sich auf unseren nächsten Salon....

Salon im Café Luitpold in München am 14.01.2021
mit Wiggerl Hagn


Wiesnwirt seit über 40 Jahren, Gastronom in der Hirschau im Englischen Garten, lange Zeit Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, ein Wirt wie er im Buche steht. Wiggerl Hagn ist ein Münchner Original und dabei ein Mensch, der Gelassenheit und Ruhe ausstrahlt, das, was man in München Gemütlichkeit nennt. Vielleicht kann er sein Rezept für eine gelassene Lebensführung verraten. Darüber wollen Dr. Nikolaus Birkl und Anselm Bilgri mit ihm sprechen.

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind. Um Anmeldung bitten wir unter info@cafe-luitpold.de. Weitere Programminformationen finden Sie unter https://www.cafe-luitpold.de/category/salon-abende/
 

WAS UNS ERWARTET

Tage des Innehaltens
vom 05.05. - 09.05.2021 in Schloss Rechtenthal


Gerade jetzt können unsere „Tage des Innehaltens“ für Sie von besonderer Bedeutung sein. Es geht in diesem Retreat um das Wieder- und Neuentdecken der inneren Kräfte und Ressourcen, die durch Alltag und Stress überlagert sind, so dass wir nur noch funktionieren. Innehalten bedeutet auch, sich einzulassen auf ein Abenteuer, denn es heißt, das momentane Leben zu unterbrechen, um ein mögliches Leben zu erspüren und zu imaginieren.

Die Referenten Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl spannen den weiten Bogen von Meditation und Spiritualität über ein benediktinisches Führungsverständnis bis zu systemischem Denken und Führen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben Wissensvermittlung in Form von Impulsvorträgen, Einübung, Reflexion und regelmäßige Zeiten der Meditation* und Stille. Darüber hinaus werden Ausflüge zu attraktiven Zielen in der Umgebung geboten sowie Waldbaden-Führungen mit Martin Kiem.

Unsere „Tage des Innehaltens“ – eine harmonische Mischung aus Meditation und Stille, Zeiten für sich alleine und in Gemeinschaft, Wissensvermittlung, Erleben und Neues entdecken und wohltuender Naturerfahrung.
 

Weitere Informationen und das Anmeldeformular finden Sie hier
 

 

WAS UNS WICHTIG IST

"Finde das rechte Maß"

von Anselm Bilgri

Seit der Antike zählen zu den vier Haupttugenden: Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und das Maßhalten.

Im Fürstensaal des Klosters Andechs sind diese Kardinaltugenden in den vier Zimmerecken an der Decke dargestellt. Das Maßhalten hat dort die lateinische Bezeichnung aus der Benediktsregel: discretio. Wir kennen das von diesem abgeleitete deutsche Fremdwort Diskretion. Damit meinen wir Fingerspitzengefühl, Zurückhaltung, Vertraulichkeit. Dies ist aber viel schwächer als die discretio. Discernere heißt im Lateinischen: unterscheiden. Mit der discretio ist die Gabe der Unterscheidung gemeint, die der Abt eines Klosters haben muss, um seinen Mitbrüdern gerecht zu werden.

Dies ist eine alte Sicht von Gerechtigkeit: Schon Aristoteles sagte, Gerechtigkeit herrsche nicht in dem Satz „Allen das Gleiche“, sondern im Grundsatz: „Jedem das Seine.“ Hier treffen sich discretio und Maßhalten: Man muss für jeden Einzelnen das rechte Maß finden und vermeiden, alle über einen Kamm zu scheren. Eine ungeheure Aufgabe. Benedikt bezeichnet sie als die Mutter aller Tugenden. Dies gilt natürlich nicht nur, aber am eindringlichsten im Umgang mit anderen Menschen.

Auch im Gebrauch der Dinge gilt es das rechte Maß zu finden, die Extreme zu vermeiden. Ein schönes Beispiel gibt das Maß von Speise und Trank: Zuviel führt zu Übergewicht und Unwohlsein, ein Zuwenig zu Griesgram und schlechter Laune. Das rechte Maß bedeutet, die Mitte zu finden, die zu einem passt, und zu Ausgeglichenheit und Balance, dem Ruhen in sich.

VERANSTALTUNGEN

 
14.12.2020                        Virtuelles Symposion
                                           Thema: "Zugehörigkeit"
                                           Preis: 25 €*
                                           Beginn: 19 Uhr

14.01.2021                         Salon Luitpold
                                           "Diskurse für eine gelassene Lebensführung"
                                           mit Wiggerl Hagn, Gastronom und Wiesenwirt
                                           Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl
                                           Ort: Palmengarten des Café Luitpold, München
                                           Beginn: 20 Uhr
                                          
Eintritt frei

05.05. – 09.05.2021          Tage des Innehaltens (Retreat für Führungskräfte)
                                           Referenten: Anselm Bilgri, Dr. Nikolaus Birkl, Martin Kiem
                                           Preis: 2.142 €* (ohne Unterkunft und Verpflegung); bei
                                           wiederholter Teilnahme abzgl. 214,20 €* pro Folge-Seminar,
                                           mind. jedoch 1.190 €*
                                           Ort: Schloss Rechtenthal, Tramin (Südtirol, Italien)

08.09. – 12.09.2021          Tage des Innehaltens (Retreat für Führungskräfte)
                                           Referenten: Anselm Bilgri, Dr. Nikolaus Birkl, Martin Kiem
                                           Preis: 2.142 €* (ohne Unterkunft und Verpflegung); bei
                                           wiederholter Teilnahme abzgl. 214,20 €* pro Folge-Seminar,
                                           mind. jedoch 1.190 €*
                                           Ort: Schloss Rechtenthal, Tramin (Südtirol, Italien)

*alle Preise inkl. 19 % MwSt.
 
Weitere Symposion-Termine und alle unsere Veranstaltungen finden Sie hier


Die Durchführung sämtlicher Veranstaltungen ist abhängig von den jeweils gültigen Kontaktbeschränkungen und Hygiene-Vorschriften.


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Wir freuen uns auf Sie und wünschen Ihnen bis dahin eine gesegnete und friedvolle (Vor-)Weihnachtszeit!

 
WAS UNS FREUT


„Stop Hate for Profit“

Auch, wenn Facebook in der letzten Zeit auf einige Werbeeinnahmen großer Brands verzichten musste, droht ihnen deshalb natürlich noch lange nicht der Ruin. Aber die Kampagne „Stop Hate for Profit“ hat doch auch Mark Zuckerberg ein wenig aufgeschreckt und in jedem Fall für Aufsehen gesorgt. Wenn nun auch Facebook, wie zuvor bereits Twitter, offensichtlich gewaltverherrlichende Hass-Posts löscht und üble Falschmeldungen mit einem Warnhinweis kennzeichnet oder ihnen einen Aufklärungslink verpasst, ist das zumindest ein deutliches Zeichen „bis hierhin und nicht weiter“, und dass solche sprachlichen Auswüchse gesellschaftlich nicht mehr toleriert werden. Worte führen zu Taten ...

Über alle Facebook-Angebote hinweg – zu dem Unternehmen gehören ja auch WhatsApp und Instagram – beläuft sich die Anzahl der monatlich aktiven Nutzer im ersten Quartal 2020 weltweit auf rund 2,89 Milliarden Menschen. Nachrichten verbreiten sich so rasant rund um den Globus wie noch nie zuvor. Es wäre zu hoffen, dass die „Stop Hate for Profit“-Kampagne ein wenig dazu beiträgt, dass sich die Menschen – zumindest einige – mehr Gedanken machen, bevor sie Hasstiraden posten oder wissentlich Fake News verbreiten, andere diffamieren, um ihre (politischen) Ziele zu erreichen. Klar ist auch, dass etliche Werbebudgets wegen der Pandemie momentan sowieso zusammengestrichen werden und so ein Boykott ein hübsches Gutmensch-Mäntelchen abgibt – aber es ist ein kleiner Schritt hin zu einem respektvolleren Umgang miteinander und einer friedlicheren, zumindest virtuellen Welt.

von Gina Ahrend
 
 

BUCHEMPFEHLUNG

von Gina Ahrend

„Warum wir Fremde nicht wie Feinde behandeln dürfen“ – Wer sind „wir“ eigentlich? Und: Was ist Europa?

Diktatorische Regime, kriegerische Auseinandersetzungen und ein Leben in bitterer Armut ohne Perspektive zwingen Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Ganz zu schweigen davon, was uns bevorsteht, wenn wir den Klimawandel nicht stoppen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Migrationspolitik. Und zwar jetzt! Das ist die feste Überzeugung des renommierten Journalisten Ernst Schmiederer, die er in seinem gerade in der Edition Konturen erschienenen, streitbaren Essay „Warum wir Fremde nicht wie Feinde behandeln dürfen“ darlegt. Ein Büchlein, das in jede Jackentasche passt, Argumente für neue Regeln der Gastfreundschaft liefert, und für 12 Euro im Buchhandel zu haben ist. ISBN 978-3-902968-58-6, www.konturen.cc

 



IMPRESSUM

Akademie der Muße

Feldstraße 12a
82166 Gräfelfing

Tel. +49 89 87130008
oder +49 172 8202315
http://www.akademie-der-musse.de


Fotografie

Gina Ahrend


Redaktion

Gina Ahrend
Evi-Maria Hammer

 

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