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Unsere Gedanken in Zeiten der Corona-Krise
 
Die Vögel geben jeden Morgen ein fulminantes Konzert. Der Frühling kommt wie jedes Jahr. Aber leider ist nichts wie jedes Jahr, die Welt ist im Ausnahmezustand. Gerade wurden Begriffe wie Achtsamkeit und Gelassenheit noch teils gehypt, teils belächelt. Momentan werden sie von Regierungen wärmstens empfohlen. Achtsam miteinander umgehen, gelassen bleiben angesichts der Krise, das ist das Gebot der Stunde. Darauf basieren auch die Vorträge und Seminare der Akademie der Muße. Aber leider müssen auch wir in diesen Wochen unsere Retreats und Symposien absagen. Sicher haben Sie dafür Verständnis.
 
Unsere Solidarität ist gefragt, unser Umgang miteinander steht auf dem Prüfstand. Schönerweise gibt es viele Beispiele solidarischen und gelassenen Verhaltens: junge Leute kleben Zettel an die Türen älterer Nachbarn, dass sie gerne für sie Besorgungen übernehmen. In Italien gibt es Flashmobs, die zu nachbarschaftlichen Gesängen auf den Balkonen verabreden. Nicht alle kaufen die Regale leer … Vor kurzem noch baten die jungen Menschen die alten um Solidarität in Zeiten des Klimawandels. Wie gestalten wir unsere Welt enkeltauglich? Jetzt bitten die älteren die jüngeren Menschen um Solidarität, da sie laut Virologen gefährdeter sind. Plötzlich halten wir alle inne, werden aus vollem Tempo ausgebremst. Immerhin ist die Vollbremsung gut für das Klima und zeigt, was alles möglich ist, wenn wir wirklich, wirklich wollen. Wir sorgen uns um unsere Mitmenschen, wie wir uns um die Geflüchteten in den Lagern und die Kinder, die täglich immer noch verhungern, nicht bemüht haben.
 
Es gilt jetzt diese weltweite Krise gemeinsam zu meistern, füreinander da zu sein, solidarisch, achtsam, gelassen. Das gilt für die Länder und für jeden Einzelnen. Wir alle sollen uns um uns alle sorgen, – im Abstand liegt plötzlich paradoxerweise die wahre Nähe! Aber es geht um Sorge, nicht um Angst, denn letztere ist nicht nach außen gerichtet, sondern beschäftigt uns nur mit uns selbst. Angst verengt den Blickwinkel und hilft niemand. Wir sollten, wenn wir jetzt Angst verspüren, diese nicht wegdrücken, sondern sie als unsere Angst wahrnehmen. Hilfreich ist der Versuch, uns emotional einmal neben uns zustellen und uns anzusehen, wie wir da sitzen und Angst haben ... . Schnell werden wir bemerken, dass wir keinen Blick mehr für den Rest der Welt haben. Sorgen wir uns also lieber und befolgen zum Schutz der Schwächeren und Älteren die vorübergehenden neuen Regeln der liebevollen Distanz!
 
Vielleicht ist die Welt nach der Krise eine andere, werden Prozesse überdacht, neue Wege des Miteinanders gefunden. Hoffen wir, dass die Krise die Länder und die Menschen nicht weiter spaltet, sondern zusammenbringt – auch, wenn wir jetzt alle erstmal Abstand halten. Wir freuen uns schon sehr auf ein Wiedersehen bei den „Tagen des Innehaltens – Wege zu mehr Gelassenheit“ und bei unseren Symposien und anderen Veranstaltungen.

Bleiben Sie gesund! Wir sehen uns!
 

Hilfreiche Artikel zur „Corona-Krise“
 
Auf eine Krise reagieren viele von uns angeblich mit drei wesentlichen Verhaltensformen: Flucht, Kampf oder Sich-tot-Stellen. Keines dieser Verhalten hilft dem Einzelnen, seiner Umgebung oder gar der Gesellschaft wirklich weiter. Gefragt ist ein gelassener und umsichtiger Umgang mit den berechtigten Sorgen und Nöten und ein gesamtgesellschaftlich verantwortliches Verhalten. Und doch überwältigen uns manchmal Angstgefühle und wir drehen uns im Kreis. Das gilt nicht nur für die, die zuhause bleiben müssen, sondern gerade auch für diejenigen, die aufopfernd als Ärzte, Klinikpersonal, Rettungskräfte, Polizisten etc. ihre ganze Kraft mobilisieren müssen, um der Lage Herr zu werden oder zu bleiben.
 
Einen besonders durchdachten, ruhigen und systemtheoretisch fundierten Artikel zum Umgang mit Angst hat Klaus Eidenschink jetzt veröffentlicht. Klaus Eidenschink ist Psychotherapeut, Coach und Gründungsgesellschafter der etablierten Coaching-Ausbildungsakademie „Hephaistos“ in Krailling b. München, er ist ein anerkannter Analytiker sozialer Systeme und Phänomene.  Wer diesen Artikel von Klaus Eidenschink gelesen hat, wird mit seiner eigenen Angst und Ängsten in seiner Umgebung besser umgehen können.
 
Einen anderen Blickwinkel nimmt einer der etablierten Trend- und Zukunftsforscher, Matthias Horx aus Wien, ein, der versucht, nicht in die Zukunft, sondern aus der Zukunft zurück zu denken: er betrachtet die Corona-Krise nicht in der Pro-Gnose, sondern als Re-Gnose, fragt also, wie wir auf die Krise schauen könnten, wenn sie vorbei ist. Das ist sehr, sehr spannend.
 
Beide Artikel fügen wir als Link im Folgenden bei:
 
Klaus Eidenschink:
 
Matthias Horx:

 
BUCH-TIPP

von Clara Fernández López

Dalai Lama, Michael von Brück:
Wagnis und Verzicht. Die ermutigende Botschaft des Dalai Lama, München 2019. 256 Seiten, 20 €


„Hat die Menschheit überhaupt noch eine Chance?
Sind die zerstörerischen Potenziale des Menschen inzwischen so unkontrollierbar geworden, dass nur noch Resignation oder Verdrängung bleibt?“

 
Das sind die Leitfragen, zu denen sich bereits im April 2018 der Dalai Lama – das geistige Oberhaupt der Tibeter – und Michael von Brück – Religionswissenschaftler, Yoga- und Zenlehrer – in Dharamsala trafen, um im Gespräch auf drängende Fragen der Zeit zu antworten. Heute könnten die Fragen und die Lösungsansätze aktueller kaum sein.
 
Im gemeinsamen Gespräch und in einzelnen Beiträgen skizzieren der Dalai Lama und Michael von Brück aus ihrem jeweils unterschiedlichen Erfahrungsschatz und Kulturkreis heraus Aspekte und Lösungen für eine gelingende persönliche Lebensführung und für ein gelingendes Zusammenwirken in Politik, Wissenschaft, Ökologie und Ökonomie. In den zum Teil sehr persönlichen Gesprächen blicken die Gesprächspartner zurück und sie weisen nach vorn – „denn nichts ist und bleibt, was es ist, sondern entwickelt sich“.

 
Mit herzlichem Gruß
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