Wie fühlt sich dein Leben so an?

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Das ist nun Versuch 4 dieses Newsletters. Die anderen drei Versionen hab ich verworfen.
 
Die Worte kommen nicht einfach. Aber sie kommen von Herzen. Und aus Südamerika.
 
Ein etwas anderer Newsletter. Einer voll mit Schwächen und Geständnissen. Einer, bei dem es schwer sein wird auf “Senden” zu klicken.

Aber oftmals sind es diese Worte, die sein müssen. Sind es diese Zeilen, die mich entblössen, in welchen oft die Magie steckt.
 
Warum dich nicht wissen lassen wie es mir eigentlich ergangen ist in den letzten Monaten auf Reisen?

Warum nicht auch mal meine Schwächen, meine tiefsten Gedanken und Gefühle mitteilen?

Und dann die Selbstzweifel:

Aber was werden meine Leser denken? Was, was, was?

Das ist Angst. Aber wenn ich Angst vor dem Schreiben habe, schreibe ich. Wenn ich Angst vor dem Senden habe, sende ich. Wenn ich Angst vor dem Leben habe, lebe ich.

Das hier bin ich. Unzensiert. 


Genug. Hier sind sie, meine Gedanken der letzten Zeit...
 
 
 
1. Alleine reisen ist fucking sauhart manchmal.
 
Besonders wenn es der Herzregion nicht gut geht, du keine Freunde unmittelbar um dich hast um dich mit ihnen auszutauschen und dein Herz und deine Tränen auszuschütten. Meine letzten zwei Monate waren voll mit Höhen und Tiefen.
 
Das Gefühl der Einsamkeit, des Verlorenseins, war in vielen Momenten sehr gegenwärtig, sehr präsent in der letzten Zeit.
Ich komm damit klar, meist auch sehr gut, aber schön ist was anderes manchmal.
 
Trotzdem sehe ich Einsamkeit als eine wunderbare Möglichkeit, sich näher zu kommen, sich direkt selbst in die Augen zu sehen. 
 
Es ist nicht immer leicht als Alleinreisende, aber die wirklichen Erfahrungen liegen am Limit deiner Komfortzone. Am meisten habe ich dann gelernt, wenn ich weit darüber hinaus war.

Alleinsein auf Reisen, Einsamkeit richtig tief spüren - einer der besten Lehrer des Lebens.
 
 
2. Selbstzweifel können mich manchmal wahnsinnig machen.
 
Warum reise ich überhaupt? Was mache ich hier überhaupt? 
 
Fragen, die ich mir in den letzten Wochen sehr oft gestellt habe, besonders als ich noch in Mexiko war (und Mexiko an sich hatte rein gar nichts damit zu tun).
 
Ich hatte mein Warum verloren, meinen Weg, und ein wenig auch mich.
Auf einmal macht nichts mehr Sinn, nichts macht mehr Spaß. Oder auch: Depression?
 
Der Aspekt, der mir im Leben am wichtigsten ist und mich ausmacht - das Reisen - hat aufgehört Sinn zu machen. Und das hat mich sehr beunruhigt. Ich wollte nicht wirklich nach hause (wo immer das auch ist), aber ich wusste nicht mehr was ich wollte.
 
Ich war verloren, es fühlte sich wie ein Burnout an, ich habe alles in Frage gestellt - mich, das Reisen, meine Pläne, das Bloggen - so ziemlich alles, ja.
 
Es war ziemlich beschissen.
 
Mittlerweile habe ich meinen Weg wieder gefunden, bin durch das tiefe Tal der Selbstzweifel, wieder sehr motiviert unterwegs zu sein und richtig Bock auf alles was kommt in den nächsten Monaten. Nächstes Jahr wird spannend, ich hab viel vor!
 
 
3. Einsicht: Höhen und Tiefen haben nichts mit Reisen zu tun.
 
Sie passieren. Zuhause. Unterwegs. Alleine. Umringt von Freunden und Familie. 
 
Aber sie passieren bei mir vor allen Dingen, wenn ich mein emotionales und mentales Gleichgewicht verliere, wenn mein Herz nicht mehr im Einklang mit meinem Kopf und meiner Seele ist. Wenn ich nach äußeren Stimulationen suche um glücklich zu sein.
 
Zwei Bücher, die mir sehr geholfen haben in letzter Zeit sind:
 
4. Meine neue Beziehung zuhause und ich auf Reisen: It sucks.
 
Ich habe keine Ahnung von Fernbeziehungen. Ich habe keine Ahnung wie es sich für den Daheimgebliebenen anfühlt wenn der andere unterwegs ist. Ich weiss nicht wie man miteinander über einen solch langen Zeitraum umgeht.
 
Und ich bin schlecht in Distanzkommunikation. Ich finde sie frustrierend und anstrengend. Ständig war und bin ich im Kopf bei einem bestimmten Menschen, tue mir schwer mich nur auf mich und meine Jetzt zu konzentrieren.
Und dann die vielen Missverständnisse, die über Skype und Whatsapp und Facebook Messages auftreten, in Drama enden und nur schwer zu bereinigen sind.
 
Ich denke unsere Beziehung war/ist zu jung und zerbrechlich um das ganze auszuhalten, um sich einander sicher zu sein, um genügend Vertrauen in die Liebe und ihrer Beständigkeit zu haben.
 
Mittlerweile ist viel Nähe aufgebraucht, die Nerven oft am Boden, das Herz mehrmals erschüttert.
 
Ich habe heute einen Flug gebucht. Mitte Dezember fliege ich von Buenos Aires nach Rom. Ich weiß nicht ob es das richtige ist, ob ich dem ganzen noch eine Chance geben soll - vieles spricht dagegen. Vielleicht sehen wir uns, vielleicht steig ich auch in den nächsten Flieger nach München. Weihnachten zuhause hatte ich meiner Familie dieses Mal versprochen.
 
Ich habe Angst zu fliegen. Aber ich muss es tun um herauszufinden ob mein Herz oder Kopf recht hat. Ich versuche immer die Dinge zu tun, die mir Angst machen. Wenn ich Angst vor der Liebe habe, liebe ich.

Nächster Punkt: Wenn ich Angst vor dem Fliegen habe, fliege ich. 
 
 
5. Ich habe schreckliche Flugangst.
 
Fuck, ja, ich reise schon mein halbes Leben um die Welt und habe es als Reisebloggerin zu meinem Beruf gemacht - aber ich habe wirklich krasse Flugangst ab und an. Nicht immer so schlimm wie auf dem Flug von Mexiko nach Ecuador, aber sie ist immer irgendwie präsent.
 
Von Oaxaca nach Mexico City und von Mexico City nach Bogota hatte ich massive Panikattacken deswegen, noch nie in meinem Leben war es so schlimm und ich kann mir auch nicht erklären warum. Es war der reinste Horror und war selbst richtig schockiert darüber was in mir abging.
 
Die letzten Flüge in Südamerika waren ok, aber trotzdem sehr unangenehm. Meditation und Atemübungen helfen, auch Entspannungsmusik. 
 
Manche Ängste sind und bleiben. Ich werde weiter fliegen und reisen und leben und lieben. Und weiter mich mit meinen Ängsten befassen. Sei es die vor dem Fliegen oder die vor der Liebe, der Einsamkeit und dem Leben. Sie gehören dazu und ich wachse an ihnen jeden Tag. Das Letzte das hilft ist sie zu ignorieren, auch wenn wir das so gerne tun.
 
 
6. Vor mir und meinen Problemen auf Reisen wegzurennen, funktioniert…null.
 
Auch nicht wenn ich von einem Ort und Land zum nächsten ziehe. Alles Unaufgearbeitete holt dich irgendwann ein. Ein schweres Herz ist schwer in Berlin, in Mexiko, auf den Galapagos und Argentinien.
 
Trotzdem bin ich immer weiter, wollte immer mehr sehen, mich an neuen Orten ablenken. Habe spontan Flüge gebucht, nur um nicht still zu stehen und dabei mein Herz schwer schlagen zu hören.
 
Was hilft? Konfrontation mit dir selbst. Stehenbleiben. Und diese Einsicht in diesem Post.
 
Hier und da tut Ablenkung aber gut. Manchmal gibt sie mir eine neue, leichtere Perspektive.
Aber Probleme und Herzschmerzen gehen nicht weg indem man versucht immer einen Schritt schneller zu sein. Sie reisen als mein Schatten hinter mir her.

++thend++
 
Ich schreibe diese Worte in einem Starbucks in Buenos Aires. Gleich treffe ich meine Freundin Liisa aus Finland - wir waren vor einigen Jahren gemeinsam in Asien unterwegs. Es ist heißer Frühling draußen.
 
Am Sonntag geht’s nach Montevideo in Uruguay. Danach, we will see. Vielleicht ein wenig Brasilien, vielleicht wieder zurück nach Argentinien. Wo immer die Luft mich trägt, ich gehe mit ihr.
Das Schlusswort kommt vielleicht aus Uruguay. Absenden werde ich diese Email eventuell aus Brasilien. 
 
So schreibe ich meine Newsletter und Blogposts. Manchmal verstreut über mehrere Städte, Länder, Airports, Fluggesellschaften, Höhen und vor allem Stimmungen und Tageszeiten.
 
Das ist mein Leben. Voll mit Höhen und Tiefen.
Wir alle kämpfen mit uns selbst, immer und immer wieder. Nur selten gebe ich öffentlich wie hier Einblick in meine Gefühlswelt, besonders die an schlechten Tagen. 
 
Aber vielleicht hilft es dir zu sehen, dass wir all im selben Boot sitzen. Dass Stürme normal sind. Dass auch ein erfolgreiches digitales Nomadenleben auf Reisen hier und da erschüttert wird. Dass nichts so einfach ist wie es aussieht.
 
Das wichtige ist, immer wieder aufzustehen. Immer und immer wieder. In Mexiko. In Ecuador. In Argentinien. Nie liegen bleiben. Krone zurecht rücken und weiter geht’s. 
 
Gerade sitze ich in der Fähre von Buenos Aires nach Uruguay. Ich lebe meinen Traum und alle Stürme sind es wert.
 
Alles Liebe
Deine Conni

PS: Das Nachwort schreibe ich gerade aus Montevideo in Uruguay. Ob ich auf Senden drücke? 

PPS: Hier kannst du die letzten Posts auf Planet Backpack aus-checken!

    Conni Biesalski
    Live aus Montevideo, Uruguay
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