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Newsletter Juni 2021

Liebe Leserin, lieber Leser

Die diesjährige Mitgliederversammlung des Fördervereins Generationenwohnen-Bern-Solothurn markiert einen Einschnitt in unserer Vereinsgeschichte. Unser Gründungspräsident, Christoph Graf, ist zurückgetreten und Jürg Sollberger, der bisherige Vizepräsident, tritt seine Nachfolge an. Jürg Sollberger stellt sich unseren Lesern in diesem Newsletter vor und würdigt die grossen Verdienste von Christoph Graf für den Förderverein Generationenwohnen.

Ausserdem berichten wir von der spannenden Fachtagung „Generationensolidarität und Generationenwohnen“ vom 18. Mai 2021, die ganz unterschiedliche Blicke aufs Generationenwohnen ermöglichte: Generationenwohnen ist ein vielfältiges Phänomen und lässt sich – zum Glück! - nicht auf einen einheitlichen Nenner bringen.

Ihr Förderverein Generationenwohnen wünscht Ihnen eine interessante Lektüre.

 

Jürg Sollberger stellt sich vor

Ich danke für das Vertrauen, das mir mit der Wahl entgegen gebracht wird. Es wird für mich als Nachfolger von Christoph Graf schwierig, sein Erbe im gleichen Tempo weiterzuführen. Ich gehe aber davon aus, dass nach fulminanten Startjahren den vielen «Eisen im Feuer» eine Konsolidierungsphase gut tun wird. Die Idee «Generationenwohnen» muss in konkreten Projekten konkretisiert und, wo bereits in Betrieb, von den Bewohnenden belebt werden. Dies braucht, wie das Planen und Bauen auch, seine Zeit. Ich bin dankbar um das Fundament, das Christoph Graf gelegt hat, und will den Projekten und dem Verein diese Zeit geben. Wir haben spannende Projekte, die wir weiter begleiten werden. Das Thema «Generationenwohnen» werden wir weiter entwickeln, sobald wir in unserer Region ein paar «good practices» evaluieren und diskutieren können. In dem Sinne freue ich mich, mit den Vorstandskolleg*innen die Tätigkeit des Vereins Generationenwohnen weiterführen zu können.
 
Zu meiner Person Jürg Sollberger
Ich wohne mit meiner Partnerin in einem generationengemischten 12-Familien-Haus in der Siedlung Hardegg in Bern und geniesse eine gute Nachbarschaft. Als AHV-Bezüger bin ich noch teilzeitlich als Architekt sowie als Präsident von Wohnbaugenossenschaften Bern-Solothurn tätig.
 

Dank an Christoph Graf

Christoph Graf hat den Verein Generationenwohnen Bern- Solothurn im 2016 nicht nur initiiert, sondern in seiner fünfjährigen Präsidialzeit auch massgebend geprägt. Er packte in seiner gut strukturierten Art rasch verschiedene Projekte an und organisierte dank seinem Netzwerk umfangreiche Finanzmittel zur professionellen Bearbeitung der Projekte. Er lancierte Grundlagen-Studien, um dem Schlagwort «Generationenwohnen» konkrete Inhalte zu geben.

Generationenwohnen soll über zufälliges Nebeneinanderwohnen von verschiedenen Generationen hinausgehen. So konnten Kernelemente eines verbindlichen Generationen-verbindenden Zusammenlebens destilliert und konkretisiert werden, die dem Förderverein als Leitgedanken innewohnen.

Mit seinem beratenden Engagement in konkreten Bauprojekten motivierte er die Bauträgerschaften, die theoretischen Grundlagen zu adaptieren und umzusetzen. Damit hat er gezeigt, dass er nicht nur ein ausgezeichneter Mentor für theoretische Arbeiten ist, sondern den Praxisbezug aktiv sucht und auf die konkrete Umsetzung zielt.

Christoph Graf hinterlässt einen gut strukturierten Verein mit einem Sack voller Projekte. Der Vorstand dankt Christoph Graf im Namen der Vereinsmitglieder ganz herzlich für sein grosses Engagement zugunsten des gut-nachbarschaftlichen, Generationen-verbindenden Wohnens und wünscht ihm dasselbe in seinem eigenen Wohnumfeld.


 

Generationensolidarität und Generationenwohnen

Am 18. Mai 2021 veranstalteten die Wohnbaugenossenschaften Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband der Wohnbaugenossenschaften Zürich und dem Förderverein Generationenwohnen-Bern-Solothurn die Fachveranstaltung zum Generationenwohnen und zur Generationensolidarität. Die von über 150 Personen verfolgte Zoom-Konferenz befasste sich mit den Voraussetzungen der Generationensolidarität, präsentierte drei unterschiedliche Generationenwohn-Projekte und stellte ein laufendes Forschungsprojekt des ETH-Wohnforums über die Erfahrungen mit dem Generationenwohnen in der Schweiz vor

Pasqualina Perrig-Chiello, emeritierte Professorin der Universität Bern, beschäftigte sich mit der Frage, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die Generationensolidarität hat. Obwohl immer wieder über Generationenkonflikte gesprochen wird, so sieht die Referentin die Generationensolidarität nicht grundsätzlich in Frage gestellt: die innerfamilialen Generationenbeziehungen zeugen mehrheitlich von grosser Solidarität, die gesellschaftlichen Beziehungen zeugen jedoch eher von einem Nebeneinander der Generationen. Die demographische Entwicklung zu mehr allein lebenden Personen und zu kinderlosen Paaren sowie die zunehmende Arbeits- und Wohnmobilität führen vermehrt zu sozialer Einsamkeit und zur Schwierigkeit, Hilfe und Pflege zu leisten. Generationen und sozial durchmischtes Wohnen ist vor diesem Hintergrund auch eine Chance zur gegenseitigen Unterstützung und zum freiwilligen nachbarschaftlichen Engagement.

Elias Rüeggsegger, Initiant von «und» das Generationentandem, berichtete über konkrete Erfahrungen mit Generationensolidarität. Der 2012 gegründete Verein betriebt eine Vielzahl generationenverbindender Aktivitäten und Projekte, z.B. live als Generationentalk und Erzählcafé, im Print- und Online-Magazin mit Beiträgen zu ausgewählten Themen jeweils im Tandem von zwei Menschen unterschiedlichen Alters und damit aus zwei Perspektiven, im Forum für Generationenfragen, das ein Netzwerk und Wissensaustausch bietet. Die Grundidee ist: zwei Menschen aus verschiedenen Altersgruppen haben ein gemeinsames Ziel. Damit wird das Verständnis für die anderen Generationen gefördert und durch aktive Teilnahme der Vereinsamung entgegengewirkt.

Das Modellvorhaben Generationenwohnen Hasliberg hat zum Ziel, dass ältere Menschen möglichst lange selbständig am Hasliberg leben können und auch bei körperlichen Einschränkungen die Möglichkeit haben, am gewohnten Leben in der Gemeinde teilzuhaben. In der Gemeinde Hasliberg soll deshalb bedarfsgerechter und barrierefreier Wohnraum für ältere Menschen an zentraler Lage zur Verfügung stehen und kombiniert werden mit Angeboten für verschiedene Generationen (Familien, Kinder) und mit öffentlichen Nutzungen (z.B. Café, Dorfladen, Spitex) und es soll ein lokales Sorgenetzwerk (Caring community) entstehen. In zwei bis drei Jahren sollen im Ortsteil Hohfluh zwei  nachhaltig  gestaltete  Generationenhäuser  mit insgesamt 24 Wohnungen gebaut werden.

Das ursprüngliche Konzept der Überbauung GeWo in Burgdorf richtet sich an die Mischung der drei Zielgruppen Familien, ältere Menschen und junge Menschen, entsprechend vielfältig ist auch der Wohnungsmix (von 1 ½- bis 6 ½-Zimmer-Wohnungen) und das Angebot an Gemeinschaftsräumen. In der GeWo sind die Bewohnerinnen und Bewohner automatisch auch Genossenschaftsmitglieder und können mitbestimmen. Die Genossenschaft bietet eine Plattform, wo gemeinsame Aktivitäten unter den Mieterinnen und Mieter und eine lebendige, generationenübergreifende Nachbarschaft gefördert aber auch Verantwortung wahrgenommen wird. Die sozial durchmischte Bewohnerschaft ist mehrheitlich nicht wegen dieses Konzepts in die GeWo gezogen und zum grossen Teil nicht vorbereitet auf die Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten, die in den gegebenen Strukturen möglich sind. Christa Schönenberger berichtete aus ihrer Tätigkeit als Siedlungskoordinatorin in der GeWo. Sie nimmt ihre Aufgabe als behutsamen Entwicklungsprozess wahr, indem sie unterstützend und koordinierend wirkt. Erste Gemeinschaftsaktivitäten entwickelten sich im Gartenbau oder bei der Vorbereitung eines gemeinsamen Festes.

Die Giesserei Winterthur ist ein Leuchtturmprojekt für das Mehr-Generationen-Wohnen in der Schweiz. Wichtige Grundprinzipen der Giesserei-Genossenschaft sind Altersdurchmischung, Selbstverwaltung und Nachhaltigkeit. Die Anlage umfasst 150 Wohnungen (von 1 ½- bis zu 9-Zimmern), 9 Jokerzimmer, Gemeinschaftsräume und Gewerbebetriebe. Die weit gehende Selbstverwaltung auch im Bereich Unterhalt und Technik bedingt verbindliche Mitarbeit im Umfang von 30 Stunden Gemeinschaftsarbeit pro Person im Jahr. Elly Brenner, Bewohnerin und Mitglied des Führungsteams der Giesserei berichtete über die Erfahrungen nach 9 Jahren selbstverwalteten Wohnens. Gemeinschaft kann nicht verordnet werden, sie wird gelebt. In den verschiedenen Personenkreisen ist ein starker Zusammenhalt entstanden. Der Aufwand für die Selbstverwaltung ist höher als im konventionellen Wohnen. Freiwillige Selbstverwaltung funktioniert nicht, die Mitarbeit muss verpflichtend sein. Nach sieben Jahren zeigt sich eine abnehmende Bereitschaft zur Mitarbeit in der Selbstverwaltung.

Zum Abschluss der Tagung stellten Marie Antoinette Glaser, Direktorin ETH Wohnforum, und Ulrich Otto, age-research.net, das Forschungsprojekt „Generationenwohnen in langfristiger Perspektive: Von der Intention zur gelebten Umsetzung“ vor, das anfangs Jahr gestartet ist. Seit einigen Jahren erlebt die Schweiz einen Aufschwung bei Generationen durchmischten Wohnbauvorhaben. Das Generationenwohnen gibt es nicht, vielmehr gibt es eine Vielzahl an Formen, die unterschiedlich stark formalisiert und institutionalisiert sind. Im Forschungsprojekt wird untersucht, wie sich Motivationen, Ansprüche, Sozial- und Organisationsformen sowie Umfeldbezüge ausgewählter Generationenwohnprojekte im Zeitverlauf entwickeln. Daraus sollen Handlungsempfehlungen für öffentliche, gemeinnützige und private Akteure abgeleitet werden.

Alle Präsentationen der Tagung sind zugänglich unter diesem
 Link.
Foto: PONNIE Images / werk .Architekten

Partizipationsanlass der Hauptstadt-Genossenschaft zum Viererfeld Dienstag, 22. Juni 2021

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Hauptstadt-Genossenschaft in der ersten Bau-Etappe im Viererfeld rund 200 gemeinnützige Wohnungen realisieren kann. Sie startet deshalb eine partizipative Visionsentwicklung zum Wohnen und Leben auf dem Viererfeld. In den nächsten Monaten finden drei für alle Interessierten offene Partizipationsanlässe statt. Der erste davon in Form einer Online-Veranstaltung ist am 22. Juni 2021 dem Thema "Ideales Wohnen und Leben in der Stadt", Visionen und Wünsche zum Zusammenleben und zur Nachbarschaft gewidmet.
 
Weitere Informationen - auch über die nachfolgenden Anlässe - und zur Anmeldung finden sich auf der Hauptstadt-Genossenschaft

Veranstaltungen und Agenda

Workshop „Ideales Wohnen und Leben in der Stadt"
Dienstag, 22. Juni2021, Online


Weitere Informationen - auch über die nachfolgenden Anlässe - und zur Anmeldung finden sich auf Hauptstadt-Genossenschaft
 

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Förderverein Generationenwohnen-Bern-Solothurn · GenerationenHaus · Bahnhofplatz 2 · Bern 3011 · Switzerland

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