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"Der Hochseefischer" ist der kostenlose E-Mail-Newsletter des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V.

Moin, moin!

Von Gerard van Balsfoort, Präsident der Pelagic Freezer-trawler Association (PFA)

Lange standen sich die Fischereiindustrie und Greenpeace feindlich gegenüber – nun ziehen Umweltschützer und Fischer an einem Strang: Ende August haben der europäische Fischereiverband PFA und seine Mitgliedsunternehmen – darunter auch vier pelagische Trawler aus Deutschland – eine Absichtserklärung mit Greenpeace unterzeichnet, um sich gemeinsam statt gegeneinander für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Fischerei einzusetzen.

Die auf zehn Jahre angelegte Kooperation beinhaltet eine Reihe von gemeinsamen Absprachen:

  • Die Erarbeitung eines Verhaltenskodex für nachhaltige Fischerei durch die PFA und Greenpeace.
  • Verstärkte Investitionen in das wissenschaftliche Monitoring von Fischereibeständen, eine Verbesserung der Selektivität und die Verringerung von Beifang durch die PFA.
  • Eine kontinuierliche Verbesserung der Nachhaltigkeit europäischer Trawler bei der Fischerei im Ausland, insbesondere vor der afrikanischen Küste, sowie eine verstärkte internationale Kooperation.
  • Ein Verzicht auf die Fischerei in bisher unbefischten Gebieten der Arktis und Antarktis durch Mitgliedsunternehmen der PFA.
  • Die Erarbeitung einer gemeinsamen Position zur Flottenkapazität in Europa.

Eine Zusammenarbeit zwischen Greenpeace und der Fischereiindustrie, wie wir sie jetzt beschlossen haben, ist auf der ganzen Welt einmalig. Zwar sind wir uns nicht in allen Punkten einig, aber die Absichtserklärung ermöglicht eine Annäherung unserer Positionen und Ziele, etwa mit Blick auf eine bessere Datenerhebung, um Verbrauchern mehr Sicherheit beim Einkauf zu geben. Dass Industrie und Umweltschützer sich nun gemeinsam für eine nachhaltige Fischerei einsetzen, ist deswegen eine gute Nachricht für Umwelt, Fischer und Verbraucher.

Die Pressemitteilung zur Unterzeichnung der Absichtserklärung finden Sie auf der Webseite der PFA. Das Memorandum of Understanding ist hier als PDF abrufbar.

Aus dem Verband

Fischereitag 2016: Rückwurfverbot macht Fischern Sorgen

Vom 23. bis zum 25. August traf sich die deutsche Fischereibranche zum alljährlichen Fischereitag, der dieses Jahr in Potsdam stattfand und sich schwerpunktmäßig mit Binnenfischerei und Aquakultur befasste. Zu den Teilnehmern zählten unter anderem der Parlamentarische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium Peter Bleser, der Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Dr. Till Backhaus und Dr. Carolin Schilde, Staatssekretärin für Landwirtschaft des Landes Brandenburg.

Für die Hochsee- und Küstenfischer stand das Rückwurfverbot von unerwünschten Beifang im Vordergrund. Seit 2015 wird in Europa schrittweise ein Rückwurfverbot eingeführt. Danach müssen alle gefangenen Fische an Land gebracht und auf die nationalen Fangquoten angerechnet werden. Die Hochseefischer kritisieren allerdings die Umsetzung des Verbots. Zwar lässt das Gesetz zu, überlebensfähige Fische zurückzusetzten, doch scheitere es an der "praxisgerechten" Umsetzung dieser Ausnahmen, so Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband. Eine Erweiterung der Ausnahmen sei hier durchaus im Sinne einer nachhaltigen Fischerei.

Traditionell fanden wieder die Gesprächsrunden des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes mit Vertretern des BMEL und der BLE statt. Ein Schwerpunkt war hier die mögliche Auswirkung des Brexit auf die Deutsche Hochseefischerei.

Reaktion auf den Entwurf des Seefischereigesetzes

Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf des Seefischereigesetzes sieht vor, Zoll und Bundespolizei für die Durchführung von Fischereikontrollen zu ermächtigen. Der Deutsche Fischerei-Verband kann dafür keine Notwendigkeit erkennen. Auch die für Fischereiaufsicht zuständigen Behörden (BLE, Bundesländer) sehen keinen Grund für eine Erweiterung des Aufgabenbereiches von Zoll und Bundespolizei.

Zunächst wäre ein erheblicher Ausbildungsaufwand nötig, um eine fachgerechte Kontrolle als Grundlage für eine gerichtsfeste Sanktionierung zu gewährleisten. Erfahrungsgemäß werden dadurch die Fachkompetenzen in den eigentlich zuständigen Behörden belastet bzw. blockiert. Und bei einer schrumpfenden Flotte entstehe kein Bedarf nach zusätzlichem Kontrollaufwand, so der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes Peter Breckling.

Pelagische Rotbarschsaison 2016 nach nur 20 Tagen beendet

Die pelagische Rotbarschfischerei in der Irmingersee bei Grönland hat eine lange Tradition für die deutschen Hochseefischer. Die am 10. Mai gestartete Saison wird als kürzeste und erfolgreichste in die Geschichte eingehen. Die deutsche Quote von 715 Tonnen konnte in nur 20 Tagen durch die ROS 777 "Mark" abgefischt werden. Erstmals seit vielen Jahren konnte auch wieder in der norwegischen Fischereizone durch EU-Fahrzeuge pelagischer Rotbarsch gefangen werden. Der vorrangig für den asiatischen Markt bestimmte Rotbarsch wurde an Bord geschlachtet und gefrostet und in Bremerhaven angelandet. Mit einer umfangreichen Proben- und Datensammlung während der Reise unterstützt die Hochseefischerei die fischereiliche Forschung zur Bestandseinschätzung dieser Fischart. 

Deutschland übernimmt Präsidentschaft des "Baltic Sea Fisheries Forum"

Im Juli hat Deutschland die Präsidentschaft des "Baltic Sea Fisheries Forum" übernommen. Im Vordergrund stehen die Beratungen über die Ostsee-Quoten 2017. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen schreibt die Bundesregierung, dass die Ostsee bereits heute eine Vorreiterrolle in punkto Nachhaltigkeit einnehme. Eine nachhaltige Bewirtschaftung bis spätestens 2020 sei deswegen ein realistisches Ziel. Die Hochseefischerei unterstützt diese Bemühungen: "Unser Verband hilft mit umfangreichen Datensammlungen über Fischereibestände bei der ökologischen, ökonomischen und sozial nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee", so Uwe Richter, Vorsitzender des Hochseefischerei-Verbands.

Europäische Fischereibestände verbessern sich weiter

Viele europäische Fischbestände wachsen weiter und ermöglichen daher auch eine profitablere Fischerei. Das ist das Ergebnis eines Workshops der EU-Kommission im Juli dieses Jahres. Kathryn Stack, Geschäftsführerin des europäischen Fischereiverbandes Europêche, forderte auf dem Workshop, dass sich diese positiven Trends auch in höheren Quoten widerspiegeln sollten. So sei etwa der Seehecht-Bestand in der Nordsee explodiert, ohne dass auch die Fangquoten entsprechend angehoben wurden.


Alle Trawler auf See

Hier finden Sie eine kurze Übersicht, wo die Schiffe der Deutschen Hochseefischerei gerade im Einsatz sind.

Foto: DFFU

Schiff Fischfanggebiet Fischart
ROS 171 Maartje Theadora  Heimreise aus Südpazifik  
ROS 170 Annie Hillina Nordsee Hering
ROS 785 Helen Mary Westbrit. Gewässer Holzmakrele, Makrele
BX 791 Jan Maria Norwegen Hering
ROS 777 Mark Spitzbergen Kabeljau
ROS 786 Gerda Maria Westgrönland Schwarzer Heilbutt
FMS "Kiel" Grönland-Ost Schwarzer Heilbutt, Rotbarsch
FMS "Baldvin" Cuxhaven  
Diverse Shetland Seelachs, Kabeljau, Schellfisch
Diverse Östl. Ostsee Dorsch

Juni ist Matjes-Saison!

Und aus diesem Anlass bringt Stefan Chmielewski vom METRO Genussblog einen der Matjes-Klassiker auf den Tisch: den Matjessalat. Wer wissen will, wie sich Meer und Erde in diesem leckeren Gericht verbinden findet im METRO Genussblog das ganze Rezept!

(C) Stefan Chmielewski (Texturgeber) mit freundlicher Genehmigung des METRO Genussblog


Gesichter der Hochseefischerei

In dieser Rubrik präsentieren wir Ihnen in jeder Ausgabe ein neues Gesicht aus der deutschen Hochseefischerei. Lesen Sie diesmal ein Interview mit Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfisch-Zentrale GmbH.

Nach mehr als acht Jahren wurde 2015 endlich der Ostseehering durch den MSC zertifiziert. Wie hat sich dies auf die Fischerei ausgewirkt?

Die Zertifizierung hat den Verkauf der Ware für den menschlichen Verzehr gesichert. Ohne das Siegel hätten wir die Heringe zu Fischmehl verarbeiten müssen und uns wäre eine “Gammelfischerei” vorgeworfen worden.

Kutterfisch ermöglicht es jedem Kunden, per “Tracking” genau zu ermitteln, woher der Fisch kommt, den er im Laden kauft – wie wird diese Möglichkeit angenommen und warum war Ihnen das wichtig?

Der Tracking-Code wird vor allen von Discountern angenommen. Es ist uns wichtig, dass der Verbraucher die Möglichkeit hat zu sehen, wer und wo der Fisch gefangen wurde. Wir zeigen damit Transparenz und dass wir nichts zu verbergen haben.

In der Politik wird derzeit sehr intensiv über Plastikmüll im Meer und sogenannte „Geisternetze“ gesprochen – wie wollen Sie diese Probleme angehen?

Im Rahmen der Aktion “Fishing for litter” beteiligen wir uns bereits heute freiwillig daran, Plastikmüll in der Nord- und Ostsee zu entsorgen. Das gilt auch für Geisternetze, die wir allerdings nur in der Ostsee manchmal finden.

Die Deutschen achten inzwischen immer mehr auf eine ausgewogene Ernährung und frische Lebensmittel – wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus? Schließlich beliefern Sie ja unter anderem Lidl mit Ihrem Fisch?

Wir merken schon, dass sich der Absatz vom Großhandel zu den Discountern verschiebt. Dadurch, dass der Verbraucher auf einmal 7.000 Frischfischtheken im Discounter sieht, ist es eben viel einfacher geworden, frischen Fisch zu kaufen. Das zeigen auch die entsprechenden Marktdaten von Unternehmen wir der GfK.

Welche Zukunftsaussichten haben die Kutter- und Küstenfischer heute? Der Verband hat kürzlich darauf hingewiesen, dass viele Kutter in die Jahre gekommen sind – was muss nun getan werden?

Fischerei wird es immer geben. Aber die hohen Investitionskosten sind gerade für junge Fischer natürlich ein Problem, weil man mit so einem Fahrzeug kaum eine Zukunft hat. Da die Küstenfischerei kaum Gewinne abwirft, müssen Fördermöglichkeiten für neue Schiffe geschaffen werden – sonst wird sich die Flotte massiv verringern.

In den Medien 

Claus Ubl, Medienreferent des Deutschen Fischerei-Verbandes, stellt interessante Veröffentlichungen über Nachhaltigkeit und Fischerei vor:

Deutschlandfunk: "Big Brother auf dem Kutter": Ein Bericht, der die Kameraüberwachung auf Fischereifahrzeugen von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Weser-Kurier: "Matjes & Co": Ein schönes Heft mit vielen Informationen und tollen Rezepten, das man online bestellen kann.

Heilpraxis: "Herzinfarkt vorbeugen: Regelmäßig Fisch auf den Tisch – auch fette Sorten": Wir wissen es schon lange, aber man kann es nicht oft genug sagen. Esst Hering und Makrele – die werden nicht nur nachhaltig gefangen sondern sind auch sehr gesund.

Fisch-Ticker: Nachrichten aus dem Netz

EU: Brüssel beschließt schonenderen Tiefsee-Fischfang. Weiterlesen

Nachhaltigkeit: MSC zur Kritik an der MSC-Zertifizierung im Nordostatlantik. Weiterlesen

UK I: Brexit bringt Herausforderung für gemeinsame Bewirtschaftung von Fischereibeständen. Weiterlesen

UK II: Überfischung nicht der einzige Grund für Kollaps des Kabeljau-Bestandes. Weiterlesen

EU: Erfolge im Kampf gegen illegale Fischerei vor Westafrika. Weiterlesen

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Fotos: Privat (Gerard van Balsfoort, Claus Ubl), Svort (News, Fotolia.de), Kutterfisch (Kai-Arne Schmidt).

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