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"Der Hochseefischer" ist der kostenlose E-Mail-Newsletter des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V.

Moin, moin!

Von Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock

Eine kürzlich weit in der Tagespresse zitierte Studie regt an, die Hochsee ganz für die Fischerei zu schließen. Die Wissenschaftler um den angesehenen kanadischen Ökonomen Rashid Sumalia haben sich dafür durch große Mengen von Fischerei- und Bestandsdaten gegraben. Nach ihrer Analyse werden nur 1,5 % der Bestände ausschließlich in der Hochsee gefangen und 42 % sowohl innerhalb wie außerhalb der 200-Meilen-Zone (AWZ).

Die Fänge aus der Hochsee erzielen einen Anlandewert von jährlich rund 16 Milliarden US-Dollar und liefern ungefähr 12 % des weltweiten Fisch-Fangertrages, obwohl der Anteil dieser Gebiete an der Fläche der Weltmeere 58 % beträgt. Das ist wenig überraschend, denn die Schelfmeere sind ungleich produktiver als die auch als „blaue Wüsten“ bekannten Hochseegebiete.

Die Autoren haben aufgrund dieser Daten Szenarien für die Auswirkungen einer Schließung der Hochseefischerei errechnet und kommen zu dem Ergebnis, dass es keine Auswirkung auf den Fischertrag gäbe, wenn die Fänge wandernder Arten innerhalb der AWZs im Mittel um 18 % stiegen.

Das eigentliche Anliegen der Autoren ist aber ein anderes: Es geht um die Umverteilung der Gewinne aus der Hochseefischerei. Sie beklagen, dass diese überwiegend in 10 Flaggenstaaten landen, davon 6 Industrienationen. Die Schließung der Hochseefischerei sorge demnach nicht nur für mehr Gerechtigkeit (weil nur wenige Fischereinationen Verluste hinzunehmen hätten, die meisten Länder aber Gewinne), sondern mache die Fischerei auch insgesamt umweltfreundlicher, weil die Strecken zu den Fangplätzen kürzer würden (also weniger Treibstoff benötigt werde) und das Fischereimanagement in den 200-Meilen-Zonen generell besser sei als auf der Hochsee.

Spätestens diese Schlussfolgerungen sind spekulativ und fragwürdig. Da ist zunächst die praktische Umsetzung: Die Hochsee ist für jedermann zugänglich und eine Schließung der Fischerei wäre nur durch eine Änderung der UN-Regeln umsetzbar. Wenn die Gewinne umverteilt werden sollen, müssten die Hochseeflotten durch solche der Anliegerstaaten ersetzt werden. Die müssten aber erst geschaffen werden. Ein Wechsel auf kleinere Fahrzeuge würde das Treibstoffeinsparungs-Argument hinfällig machen (kleine Schiffe sind weniger energieeffizient). Schwerer zu kontrollieren sind viele kleine Schiffe darüber hinaus ebenfalls.

Für einen längeren Zeitraum müssten sich deswegen auch die zukünftigen „Gewinner“ einer Einstellung der Hochseefischerei auf eine Reduzierung des für den Menschen verfügbaren Fischs einstellen. Diese Unsicherheiten wurden von den Autoren auch eingeräumt – dennoch nahm die Presse die Studie als Beleg dafür, dass die Hochseefischerei aus ökologischen Gründen geschlossen werden solle und große Schiffe eben doch schlecht für die Umwelt seien.

Genau das war aber gar nicht Gegenstand der vor allem ökonomischen und gesellschaftspolitischen Arbeit – auch wenn die Autoren durch die Verwendung geeigneter Schlagworte eben diese Interpretation beabsichtigt haben dürften.

Die besagte Studie finden Sie hier.

Aus dem Verband

Rückblick: Ein eher durchwachsenes Jahr 2014

Die Deutsche Hochseefischerei hat ihren Jahresbericht 2014 vorgelegt. Trotz eines aus wirtschaftlicher Sicht durchwachsenen Jahres kann die deutsche Hochseefischerei gute Fangergebnisse vor allem in Europa, Norwegen und Grönland vorweisen. Außerdem wurde die MSC-Zertifizierung für Kabeljau, Seelachs und Schellfisch in der Nordsee und in norwegischen Gewässern verlängert. Große Fortschritte gibt es auch bei der Modernisierung der deutschen Hochseeflotte in Richtung Nachhaltigkeit. Erstmals seit 18 Jahren fand 2014 der Stapellauf eines neuen Trawlers statt. Weiterlesen

Heringsfischer bekommen MSC-Siegel überreicht

Die Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer GmbH hat diesen Monat das MSC-Zertifikat für nachhaltigen Fischfang für die Schleppnetzfischerei auf Heringe in der westlichen Ostsee erhalten. Der Fang der Erzeugergemeinschaft wird ausschließlich im Fischverarbeitungswerk EuroBaltic in Sassnitz/Mukran angelandet. Geschäftsführer Uwe Richter freut sich, dass die Zertifizierung endlich gelungen ist. „Deutsche Kunden fragen beim Hering mittlerweile ausschließlich MSC-zertifizierte Ware an“, so Richter. Weiterlesen

Zur weiteren Information: MSC-Video über Heringsfischerei in der westlichen Ostsee.  

Heringssaison erfolgreich abgeschlossen

Bis zum Abschluss der diesjährigen Frühjahrsheringssaison in der westlichen Ostsee am 29. April wurden insgesamt 7.765 Tonnen Hering bei EuroBaltic in Sassnitz/Mukran angelandet. Diese Menge entspricht 63 % der deutschen Quote. Von den angelandeten Heringen wurden 6.446 Tonnen mit dem Schleppnetz gefangen. Damit sind nach der erfolgreichen MSC-Zertifizierung 83 % der diesjährigen Anlandungen bei EuroBaltic MSC-zertifiziert. Neben den Schleppnetzheringen wurden während der Frühjahrsheringssaison weitere 1.319 Tonnen Stellnetzhering angelandet und verarbeitet. Aufgrund fehlender Vermarktungsmöglichkeiten wurde 2015 erstmals kein Reusenhering aufgekauft.

Hochseefischer blicken zufrieden auf das erste Quartal 2015 zurück

Das erste Quartal der Fischereisaison 2015 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Die Fischerei auf die Schwarmfischarten Makrele, Holzmakrele und Blauer Wittling ging zufriedenstellend zu Ende. Auch die Frühjahrssaison für die Grundfischarten Kabeljau, Schellfisch und Seelachs, die von deutschen Hochseefischern vor allem in Norwegen auf Basis des bilateralen Fischereiabkommens gefangen wurden, war aus Sicht der Hochseefischer erfolgreich.

Seit dem 1. Januar 2015 gilt erstmals ein Anlandegebot für Beifang, das von der deutschen Hochseefischerei vollständig umgesetzt wurde. Ein bereits im vergangenen Jahr durchgeführtes gemeinsames Pilotprojekt mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und dem Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) half dabei, Probleme bei der Umsetzung im Vorfeld auszuschließen. Trotz anhaltender Diskussionen auf EU-Ebene um Details der Umsetzung haben die deutschen Hochseefischer alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt.

EU und Grönland einigen sich auf Fischereiabkommen

Das seit 1985 bestehende und für die deutschen Hochseefischer wichtigste bilaterale Fischereiabkommen wurde am 23. März 2015 erneuert. Das neue Protokoll des Abkommens mit Grönland gilt ab dem 1. Januar 2016 für fünf Jahre und erlaubt der deutschen Hochseefischerei auch weiterhin den Fang von Kabeljau, Heilbutt und Rotbarsch auf einem insgesamt gleichbleibenden Niveau. Zusätzliche Fangmöglichkeiten können während der Laufzeit des Abkommens durch Grönland angeboten werden. Die jährlichen Fangmengen richten sich im aktuellen Abkommen noch stärker als bisher nach wissenschaftlichen Nachhaltigkeitskriterien.

Taufe der ROS 777 „Mark“

Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz gehen Hand in Hand. Das zeigt der neue, hochmoderne und komplett eigenfinanzierte Fischereitrawler ROS 777 „Mark“, der Ende Mai feierlich getauft werden soll. Das Schiff wurde in Norwegen entworfen, gefertigt wurde die „Mark“ in der Türkei. Gleich zwei kleinere Trawler älterer Bauart werden im Gegenzug aus dem Fischereiregister gestrichen.

Die „Mark“ wird ausschließlich für den menschlichen Konsum fischen und überwiegend in grönländischen Gewässern und vor der norwegischen Küste Heilbutt, Rotbarsch, Kabeljau, Seelachs und Schellfisch fangen. Neunzig Prozent der Mannschaft stammt aus der deutschen Nord- und Ostseeregion. Der anstrengende Alltag der Besatzung an Bord der „Mark“ wird durch eine Sauna, einen Kraftraum und moderne Ein- und Zweimannkabinen aufgelockert. Eigentümer der ROS 777 „Mark“ ist die Warnemünder Hochseefischerei GmbH mit Sitz in Sassnitz auf Rügen.

Mark ROS 777

Foto: Parlevliet & Van der Plas B.V.


They Draw and Cook

Die beiden Geschwister Nate Padavick und Salli Swindell sammeln auf ihrer Webseite theydrawandcook.com wunderschön gezeichnete Rezeptbilder aus aller Welt. Wir stellen Ihnen hier die beliebtesten Fischrezepte vor. Anlässlich des diesjährigen Bismarck-Jubiläums präsentieren wir Ihnen dieses Mal den berühmten Bismarckhering. 
Bismarckhering

Illustration von Katja Widelska, mit freundlicher Genehmigung von They Draw & Cook.

Wie der Bismarckhering zu seinem Namen kam ist übrigens umstritten. Eine Legende besagt, dass der Stralsunder Fischhändler Wiechmann – ein blühender Bismarckverehrer – dem Reichskanzler zur Reichsgründung ein Fass mit sauren Heringen zusandte und ihn bat, seinen Namen als Produktbezeichnung verwenden zu dürfen. Einer anderen Geschichte zufolge soll ein Arzt dem Kanzler eine Heringsdiät verordnet und so den Namen geprägt haben. Jedoch war es gängiger Brauch im deutschen Kaiserreich, Produkte, Bauwerke und Schiffe nach dem Reichskanzler zu benennen. Das Land befand sich nach der Reichsgründung zudem in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Bismarckhering könnte also auch Ausdruck der Euphorie um den Gründerboom sein.


Gesichter der Hochseefischerei

In dieser Rubrik präsentieren wir Ihnen in jeder Ausgabe ein neues Gesicht aus der deutschen Hochseefischerei. Lesen Sie diesmal ein Interview mit Dr. Jenny Sarrazin, der Leiterin des Hochsee-Museums „Windstärke 10“ in Cuxhaven.

Windstärke 10

Seit der Eröffnung des Museums im Dezember 2013 haben schon mehr als 50.000 Menschen die Ausstellung besucht. Was macht das Museum so besonders attraktiv für Besucher? Was ist das besondere Konzept des Museums?

Wir haben mit der Großen Hochseefischerei und den vielen Schiffsuntergängen hier im Bereich der Deutschen Bucht zwei extrem spannende Themen, die natürlich beide engen Bezug zu Cuxhaven haben. Unsere Ausstellung ist zudem anschaulich, abwechslungsreich, mit beeindruckenden Inszenierungen und starken Bildern. Selbst Menschen, die sich selbst als „Museumsmuffel“ sehen, bescheinigen uns immer wieder, dass sie bei uns viel Spaß gehabt haben.

Sie sind in diesem Jahr sogar für den European Museum of the Year Award vorgeschlagen worden. Der Preis zeichnet Museen mit einer einzigartigen Atmosphäre und einem kreativen museumspädagogischen Ansatz aus. Womit konnten Sie die für die Nominierung verantwortlichen Juroren überzeugen?

Da ist zum einen die ganz besondere architektonische Atmosphäre. Wir haben für den Museumskomplex zwei Fischpackhallen aus den 1930er Jahren mit einer neuen Mittelhalle verbunden. „Windstärke 10“ zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass bei uns nicht die technische, sondern die menschliche Seite im Mittelpunkt steht. Wie war es, in den 1930er Jahren mit einem Fischdampfer unter Island zu fischen? Gleiches gilt für den Themenbereich des Schiffsuntergangs. Auch hier versuchen wir, vor allem die Geschichten der Menschen zu erzählen, die Untergänge erlebten, erlitten und nur allzu oft nicht überlebten.

Die Fischerei spielt eine wichtige Rolle in ihrem Museum. Was erfahren Museumsbesucher über den Alltag auf einem Fischdampfer?

Wir nehmen unsere Besucher mit auf Fangreise an Bord des Fischdampfers „Otto Flohr“, von dem wir ein wunderschönes Werftmodell besitzen. Wir haben dafür unter anderem das Mannschaftlogis und einen Teil des Fangdecks nachgebaut. Natürlich können wir die Kälte und Nässe ebenso wenig erfahrbar machen wie die extrem langen Arbeitszeiten. 36 Stunden, oder auch mehr, fast ohne Pause waren nicht ungewöhnlich. Aber die ganze Atmosphäre, zusammen mit originalen Filmaufnahmen, vermittelt doch ein Gefühl für die Härte dieses Jobs wie auch für die vielen sehr realen Gefahren.

Das Museum zeigt wie wichtig das Meer für die Menschen in der deutschen Küstenregion ist. Wie hat sich das Verhältnis zwischen Mensch und Meer im Laufe der Zeit verändert?

Cuxhaven ist durch die Hochseefischerei groß geworden, Meer und Seefahrt prägen die Stadt bis heute. Aber während man früher das Meer als unerschöpfliche Quelle gesehen hat, die man unbegrenzt ausbeuten konnte, gehen wir heute mit diesen natürlichen Ressourcen sehr viel umsichtiger und respektvoller um. Übrigens zeigen wir in unserer neuen Mittelhalle einen großen Ausstellungsteil zum Thema Überfischung. Wir wollen dabei die bestehenden Probleme nicht verschweigen.

Es ist uns aber sehr wichtig zu zeigen, wie viel heute getan wird, damit sich die Bestände wieder erholen können bzw. um sie in einem biologisch gesunden Gleichgewicht zu halten. Und das tun wir mit engem Praxisbezug. So kann man zum Beispiel selbst ausprobieren, wie durch den Einsatz von Bacoma-Netzen die Jungfische eine Chance haben, doch noch aus dem Fangbeutel zu entkommen.

Weitere Informationen zum Museum und die Öffnungszeiten finden Sie auf der Webseite.

Foto: Stadt Cuxhaven

In den Medien 


Claus Ubl, Medienreferent des Deutschen Fischerei-Verbandes, stellt interessante Veröffentlichungen über Nachhaltigkeit und Fischerei vor:

Fishing News International: Ökosystem-Management ist entscheidend
"Ein wirklich lesenswerter Beitrag über den Fischereiwissenschaftler Jens Holst, der die These vertritt, dass Unterfischung unter Umständen mehr Schaden anrichten kann als Überfischung."

Deutschlandradio Kultur: Erholte Bestände in Nord- und Ostsee - Viel Fisch im Meer, wenig Segen für die Fischer
"Nachhaltiges Fischereimanagement ist zwar positiv, aber nicht immer gleichbedeutend mit einer höheren Wertschöpfung für die Fischer."

SZ: Im Schleppnetz der Umweltsiegel
"Eine aufwendig recherchierte und besonders ausgewogene Reportage über den deutschen Fischereisektor. Themen sind Quoten, Schonzeiten und eine übergenaue EU-Regulierung der Fischerei, sowie die MSC-Zertifizierung."

Fisch-Ticker: Nachrichten aus dem Netz

Bildung: Ein neues Computerspiel der Universität Kiel will Schülern das Fischereimanagement in der EU näher bringen. Weiterlesen

Nachhaltigkeit: MSC überarbeitet Rückverfolgbarkeitstandards für Wildfischerei. Weiterlesen

Fangquoten: „Fischer können optimistisch ins neue Jahr blicken“, Minister Schmidt. Weiterlesen

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Fotos: Thünen-Institut/ C. Waitkus. Parlevliet & Van der Plas B.V., Stadt Cuxhaven

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