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"Der Hochseefischer" ist der kostenlose E-Mail-Newsletter des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V.

Moin, moin!

Von Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Die Fischerei in Deutschland ist ein traditioneller Bestandteil von Wirtschaft und Kultur. Die Bundesregierung steht zu ihrer Verantwortung für die deutsche Fischerei und unterstützt eine nachhaltige Binnen-, See-, Küsten- und Kutterfischerei, die Bestände erhält und artgerecht ist. Im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik gestalten wir im laufenden Austausch mit den Betroffenen eine nachhaltige Fischereipolitik auf europäischer Ebene mit.

Das große Projekt der letzten Jahre war die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik. Aber: die politischen Beschlüsse sind das eine, die praktische Umsetzung das andere. Daran arbeiten wir gemeinsam mit dem Berufsstand mit Hochdruck.

Bei einem der Kernelemente der Reform, dem Rückwurfverbot, haben wir bereits "ganze Arbeit" geleistet. Sowohl für die Nordsee als auch für die Ostsee haben wir seit Anfang des Jahres Rückwurfpläne entwickelt und beschlossen.

Worüber wir uns noch nicht verständigt haben, ist die Auslegung einer Reihe technischer Bestimmungen. Hier lässt die Verordnung größeren Interpretationsspielraum und die Kommission ist offenbar nicht willens, Leitlinien für die Anwendung zu entwickeln.

Ein wichtiges Aufgabenfeld für den europäischen Gesetzgeber im Rahmen der GFP-Reform sind die Mehrjahrespläne. Seit Jahren ist hier ein Stillstand der Rechtspflege zu beklagen – mit zum Teil gravierenden Auswirkungen für die Fischer.

Die Kommission hat fest zugesagt, in Kürze einen Mehrartenplan für die Ostsee vorzulegen. Wir sind sehr gespannt, welche Elemente er im Einzelnen enthält und ob der Kompromiss mit dem Europäischen Parlament trägt, der im Frühjahr nach jahrelangen Verhandlungsrunden über die Ausgestaltung der Managementpläne gefunden wurde. Wir wünschen uns alle, dass der Ostseeplan diese Nagelprobe erfolgreich besteht.

Bei den nunmehr abgeschlossenen Verhandlungen zur Gemeinsamen Fischereipolitik hat die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und mehr Verbrauchertransparenz eine entscheidende Rolle gespielt. Die Verbraucher fragen immer öfter nach der Herkunft der Fische. Sie möchten sich über Produktionstechniken und Management der Fischerei informieren.

Trotzdem sollten wir unbedingt beachten, dass viele kleinere Fischereien nicht zertifiziert sind und gleichwohl nachhaltig fischen. Meine Bitte und mein Wunsch: "Nicht das Kind mit dem Bade ausschütten", sondern mit Augenmaß, Herz und Verstand Fisch einkaufen.

Auch nach dem erfolgreichen Abschluss der EU-Fischereireform werden uns noch viele Gesprächsthemen bleiben, die wir gerne im konstruktiven Dialog zwischen Wirtschaft und Politik aufgreifen wollen. Hier beim Deutschen Fischereitag wollen wir dies in guter Tradition tun.

Anmerkung: Dieser Text ist eine gekürzte Form des Grußworts von Staatssekretär Dr. Robert Kloos, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, auf dem Deutschen Fischereitag am 26. August 2014 in Fulda. Foto: Bundesregierung / Bergmann

Aus dem Verband

PFA begrüßt EU-Unterstützung für Fischer im Streit mit Russland

Die EU-Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei Maria Damanaki kündigte an, Fischereien, die vom russischen Handelsverbot für bestimmte Fischereierzeugnisse betroffen sind, zu unterstützen. Möglich seien finanzielle Hilfen und eine größere Flexibilität bei den Fangquoten.

Auch die deutsche Hochseefischerei ist durch Herings- und Makrelenexporte nach Russland von den Sanktionen betroffen. In diesem Zusammenhang forderte der Präsident der Pelagic Freezer-Trawler Association (PFA) Gerard van Balsfoort Damanaki auf, die Quotenflexibilität von derzeit 10 Prozent auf 30 Prozent zu erhöhen. Auch die Meldefrist für Quoten, die nicht ausfischt werden, da durch die russischen Sanktionen der Absatz nicht gesichert ist, sollte verlängert werden.

 

Deutscher Fischereitag 2014 in Fulda



Vom 26. bis zum 28. August 2014 fand in Fulda der Deutsche Fischereitag 2014 statt. Übergeordnetes Thema des Verbandstreffens waren die aktuellen Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Aquakultur. Die Erzeugung von Fischen und anderen Wasserorganismen ist weltweit der am stärksten wachsende Zweig der Lebensmittelproduktion. Deutschland kann bei der aktuellen Entwicklung jedoch nicht mithalten.

Die Kutter- und Hochseefischer befassten sich mit Problemen bei der Umsetzung der Reform der europäischen Fischereipolitik. Auf der Jahreshauptversammlung des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes war der wichtigste Themenschwerpunkt die Einführung des Rückwurfverbots ("discard ban"), das ab dem nächsten Jahr bei den pelagischen Arten im Nord-Ost Atlantik auch für die deutsche Hochseefischerei gelten wird. Viele Detailfragen sind bisher ungeklärt und es liegt immer noch keine verbindliche Durchführungsbestimmungen von Seiten der EU vor.

Das BMEL berichtete darüber, dass Deutschland für die verschiedenen Fischereien Discard-Pläne angefertigt hat, die mittlerweile von der EU geprüft wurden. Diese Discard-Pläne befassen sich mit den Ausnahmen für das Discard-Verbot und gelten für einen Zeitraum von maximal drei Jahren. Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, stellte in diesem Zusammenhang ein Pilotprojekt vor, bei dem die "Jan Maria" mit Kameras ausgerüstet wurde um so den Beifang vollständig zu erfassen. Bisher gab es zwei volldokumentierte Reisen. Derzeit werden die Kamerabilder ausgewertet.

Ein weiteres Thema waren die Anlandungen überlebensfähiger Beifänge, die künftig nicht mehr zurückgeworfen werden dürfen. Hier gibt es bis jetzt keine Untersuchungen zur Überlebensfähigkeit des Beifanges. Es wurde mit Bedauern festgestellt, dass kein Vertreter des Thünen-Institutes an der Veranstaltung der Hochseefischerei teilgenommen hat und Auskunft zur dieser Problematik geben konnte.

Für weitere Fragen rund um das Thema Gemeinsame Fischereipolitik standen den Konferenzteilnehmern Werner Kuhn (CDU) und Ulrike Rodust (SPD) zur Verfügung. Beide sind Mitglied des Fischereiausschusses im Europäischen Parlament.
 

MSC-Zertifizierung des Blauen Wittling gestartet

Die Pelagic Freezer Trawler Association (PFA) hat erstmals eine MSC-Zertifizierung für den Blauen Wittling gestartet. PFA-Präsident Gerard van Balsfoort sagte: "Da der Bestand jetzt in einem guten Zustand ist und die Ausarbeitung eines effektiven Managementplans ihre letzte Phase erreicht hat, sind wir zuversichtlich, dass die MSC-Bewertung erfolgreich abgeschlossen werden kann." Dank hochmoderner Technik wird der ehemals nur zu Fischmehl verarbeitete Wittling heute u.a. zu Surimi und TK-Filets verarbeitet. Weiterlesen.

ROS 777 "Mark" läuft in Istanbul vom Stapel

Ein neuer Fischtrawler ist im Juli 2014 feierlich vom Stapel gelaufen. Die "Mark" gehört zur Warnemünder Hochseefischerei GmbH und wird ihren Heimathafen in Rostock haben. Im Gegenzug wurde bereits im Juli 2014 mit der BX 786 "Atlantic Peace" ein Rundfischfänger außer Dienst gestellt.

Geplant wurde der 86 Meter lange und für eine Besatzung von 34 Mann ausgelegte Trawler von der norwegischen Firma Skipsteknisk, die sich auf das Design und die Planung von komplexen Schiffskonstruktionen wie Trawlern und Schiffen für den Bau und die Versorgung von Offshore-Plattformen spezialisiert hat. Der Trawler ist vollständig eigenfinanziert. Die feierliche Taufe der "Mark" ist für den Jahreswechsel in Sassnitz / Mukran geplant. Weiterlesen.

Neuer EU-Kommissar für Fischerei

Der künftige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat am 10. September 2014 die Verteilung der Aufgabenbereiche bekannt gegeben. Die Generaldirektion Umwelt wird danach mit der Generaldirektion für maritime Angelegenheiten und Fischerei zusammengelegt und von Karmenu Vella geleitet. Der 64jährige Malteser war zuletzt als Minister für Tourismus des Landes tätig.

In einem ersten Brief des designierten Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wird Vella gebeten, fünf Projekte voranzutreiben. Zwei davon - die Umsetzung der Reform der EU-Fischereipolitik und die Kooperation mit internationalen Organisationen für das Management der Ozeane - haben direkt mit Fischerei zu tun.


They Draw and Cook

Die beiden Geschwister Nate Padavick und Salli Swindell sammeln auf ihrer Webseite theydrawandcook.com wunderschön gezeichnete Rezeptbilder aus aller Welt. Wir stellen Ihnen hier die beliebtesten Fischrezepte vor. Heute die allseits beliebte Paella! Zum Vergrößern einfach auf das Bild klicken.

Illustration von Helene Peters, mit freundlicher Genehmigung von They Draw & Cook.


Kuhn (MdEP): "Beim Abbau von Überkapazitäten hat Deutschland einen großen Beitrag geleistet"


Werner Kuhn (MdEP) im Gespräch mit Uwe Richter (Foto: Andreas Pfaffe)

Der Hochseefischer: Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl ins Europäische Parlament. Mit über 10.000 Stimmen mehr haben Sie ein deutlich besseres Wahlergebnis als in ihrer ersten Legislaturperiode erzielt. Wie wir erfreut zur Kenntnis nehmen, vertreten Sie in dieser Legislaturperiode die Interessen der deutschen Fischer als Stellvertretender Vorsitzender des Fischereiausschusses des Europäischen Parlaments. Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit in den kommenden Wochen?

Werner Kuhn: Danke für die guten Wünsche. Ich freue mich über die neue Funktion im Fischereiausschuss, ist sie doch nicht nur Bestätigung für meine bisherige Arbeit, sondern eröffnet mir auch mehr Gestaltungsspielraum. Gegenwärtig läuft die Anhörung der zukünftigen Kommissare – ich bin sehr gespannt, wer sich in Zukunft um die europäische Fischereipolitik kümmern wird. Im Fischerei-Ausschuss beschäftigt uns die Umsetzung der Anlandeverpflichtung für sämtlich gefangenen Fisch und die damit verbundene Anpassung bestehender Verordnungen.

Daneben bewerbe ich mich um die Berichterstattung für den Mehrarten-Mehrjahresplan für die Ostsee, der seit langem erwartet wird und in Kürze von der Kommission vorgelegt werden soll. Das Parlament wird sich kritisch zu dem Kommissionsvorschlag äußern und diese Aufgabe möchte ich gern übernehmen. Es gibt allerdings mehrere Bewerber dafür.

Der größte Teil der Betriebe der deutschen Hochseefischerei ist in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt, Ihrem Heimatbundesland. Die Hochseefischerei stellt dort einen Wirtschaftsfaktor dar. Wie ist Ihre persönliche Beziehung zur Hochseefischerei und wie sehen Sie die Perspektive der Hochseefischerei in Mecklenburg-Vorpommern?

Als Schiffbaustudenten an der Technischen Fakultät der Universität Rostock – ich war von 1975 bis 1979 einer von ihnen – waren wir mit Forschungen für den Bau der Supertrawler auf der Stralsunder Volkswerft vertraut. Später arbeitete ich als Schiffbauingenieur im Schiffsanlagenbau Barth direkt für die Zulieferung von Anlagen für Hochseefischereischiffe. Auf der Barther Schiffswerft – mein späterer Einsatzort – wurden bis zur Wende 26-Meter-Kutter instandgesetzt.

Ende der 1960er Jahre fuhren allein im Osten 101 Fischereifahrzeuge für das Rostocker Fischkombinat, das bis 1989 über 8.000 Mitarbeiter, darunter über 4.000 seefahrendes Personal, beschäftigte und auf allen Weltmeeren fischte – von der Ostküste der USA bis zum Nordostpazifik, im Indischen Ozean und vor Mozambique. Über 200.000 Tonnen Fisch gingen allein 1971 in Rostock und Saßnitz über die Kaikanten.

Derzeit besteht die gesamte deutsche Hochseefischerei nur noch aus sieben Trawlern – Spanien dagegen hat 150 Schiffe. Die deutsche Flotte macht gemessen an der Bruttoraumzahl (BRZ) ca. 2,2 Prozent der Gesamt-BRZ der europäischen Fischereiflotte aus; bezogen auf die Maschinenleistung (kW) sind es nur 0,6 Prozent der europäischen Fischereiflotte. Beim Abbau von Fischerei-Überkapazitäten hat Deutschland somit einen überproportionalen Beitrag geleistet.

Die deutsche Hochseefischerei ist seit Jahrzehnten im Rahmen von Drittlandsabkommen an den Küsten Afrikas sowie im Südpazifik aktiv. Wie sehen Sie die laufenden Drittlandsabkommen der EU?

Die partnerschaftlichen Fischereiabkommen mit Ländern außerhalb der EU – derzeit sind es 12 – sollten grundsätzlich nachhaltig und fair ausgehandelt und abgeschlossen werden. Die EU zahlt Drittländern einen jährlichen finanziellen Beitrag, um in einem rechtlich kontrollierten Umfeld Überschüsse in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Drittlandes abfischen zu dürfen. Die Zahlungen sollen u. a. helfen, den lokalen Fischereisektor zu unterstützen, z. B. die regionale Verarbeitung zu entwickeln oder auch einen Teil der Seeleute aus dem Drittstaat zu beschäftigen.

Nach dem Willen des Europaparlaments muss sich die EU auch in den Gewässern der Drittländer für eine umweltverträgliche Fischerei einsetzen. Die EU-Regeln der Gemeinsamen Fischereipolitik gelten deshalb auch für den Fischfang in nicht-europäischen Gewässern. So wird für beide Seiten eine win-win Situation geschaffen und die nachhaltige Bewirtschaftung internationaler Fischbestände gefördert.

Werner Kuhn (CDU) ist stellvertretender Vorsitzender des Fischereiausschusses im Europäischen Parlament
 

Veranstaltungen

17. September 2014: Bremerhavener Fischessen

In den Medien

Fischer gegen neue Dorschquote (Kieler Nachrichten, 04.09.2014)

Höhere Fangmengen für Ostsee-Hering vorgeschlagen (proplanta.de, 04.09.2014)

Von Ostern bis Weihnachten - Matjes hat lange Saison (Cellesche Zeitung, 12.08.2014)

Schollenbestände auf Rekordhoch (LN Online, 23.07.2014)

Thünen-Institut: die Hüter der Ostsee-Fische(r) (Norddeutsche Neueste Nachrichten, 23.07.2014)

Makrelenfischerei im Nordostatlantik soll wieder zertifiziert werden (fischmagazin.de, 14.07.2014)

Mittelmeer stark überfischt (proplanta.de, 11.07.2014)

Das Fischereimotorenschiff „Gera“ lockt jährlich 30.000 Gäste (Thüringische Landeszeitung, 03.07.2014)

Fischkonserven-Restaurant in Lissabon: Das gute Leben in Dosen (Spiegel Online, 18.06.2014)

Wie ein 19-jähriger Holländer die Ozeane vom Plastik befreien will (Vice, 10.06.2014)

 

Illustration mit freundlicher Genehmigung von They Draw and Cook

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