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"Der Hochseefischer" ist der kostenlose E-Mail-Newsletter des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V.

Moin, moin!Vivien Kudelka

Von Vivien Kudelka, Fischereireferentin des MSC Deutschland

Die deutsche Hochseefischerei und das MSC-Siegel machen sich gut zusammen: 2016 betrug der Anteil der MSC-zertifizierten Anlandungen an den Gesamtfängen der deutschen Hochseefischerei in europäschen Gewässern 72,9 Prozent. Im September haben sich die Fischereien auf Kabeljau, Schellfisch und Seelachs in der Barentssee zur Re-Zertifizierung entschlossen, im Frühjahr durchlief die Hochseefischerei auf Nordsee-Seelachs erfolgreich die Re-Zertifizierung und die Makrelenfischerei erhielt das Zertifikat zurück, um nur einige Meilensteine zu nennen.

Aber die See war auch schon rauer: Im Jahr 2012 musste das MSC-Zertifikat für die Makrelenfänge im Nordostatlantik zunächst ausgesetzt werden. Damals lagen die Fangmengen zwei Jahre lang über den wissenschaftlichen Empfehlungen und drohten den Erhalt des Bestandes zu gefährden. Grund für die überhöhten Fangmengen waren unter anderem die gestiegenen Makrelenfänge von Fischereien ohne MSC-Zertifikat und die zum damaligen Zeitpunkt gescheiterten internationalen Abkommen zur gemeinsamen Nutzung des Bestandes durch mehrere Länder. In den vergangenen Jahren haben Fischereien und Regierungen der betroffenen Länder auf eine Einigung hingearbeitet, um den "Makrelenkrieg" zu beenden.

Die Fischereiorganisationen aus Deutschland, Norwegen, Schottland, England, Nordirland, Schweden, den Niederlanden, Dänemark, Frankreich, Irland und Litauen konnten beweisen, dass sie den Makrelenbestand gemeinsam nachhaltig bewirtschaften. Eine akzeptable Übergangslösung zwischen der Europäischen Union, Norwegen und den Färöern teilt nun 15,6 Prozent des gesamten Makrelenfanges anderen Staaten zu, darunter Island, Grönland und Russland, die bisher nicht Teil des Fischereiabkommens sind.

Um den Anforderungen des MSC weiterhin gerecht zu bleiben, muss die aktuelle Übergangslösung bis zum Jahr 2018 in ein von allen Staaten, die den Bestand nutzen, anerkanntes Abkommen umgewandelt werden. Außerdem muss die Gesamtfangmenge mit den wissenschaftlichen Fangempfehlungen übereinstimmen. Dies soll sicherstellen, dass der Makrelenbestand im Nordostatlantik – mit einer Biomasse von 3,62 Millionen Tonnen – auf nachhaltigem Niveau bleibt. Sollte der Bestand auf unter drei Millionen Tonnen absinken, müssen die Fischereien ihre Fänge senken, um den Bestand zu schonen.

Die MSC-Zertifizierung der Makrelenfischerei zeigt, dass unsere Meere profitieren, wenn Fischereien und Regierungen über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten.

Aus dem Verband

Was bedeutet der Brexit für die deutsche Fischerei?

Der geplante EU-Austritt der Briten hat erhebliche Auswirkungen auf die kontinentaleuropäische Fischerei und die deutschen Kutter- und Hochseefischer, die auf den Zugang zu britischen Gewässern angewiesen sind. Bis zu 60 Prozent der pelagischen Anlandungen der deutschen Hochseefischerei stammen aus Fangeinsätzen in der britischen Wirtschaftszone – beim Hering sind es sogar 100 Prozent. Dasselbe gilt für die Versorgung eines der größten Fischverarbeitungszentren in Europa, der Euro Baltic in Sassnitz Mukran (Mecklenburg-Vorpommern). Hier entfallen 85 Prozent der  verarbeiteten Heringe aus britischen Gewässern.

Sollte Großbritannien in Zukunft auf ein gemeinsames Fischereimanagement verzichten, würde dies zu signifikanten Umsatz- und Arbeitsplatzverlusten in allen Sparten der deutschen Fischerei führen. Gemeinsam mit der Pelagic Freezer Association (PFA) und seinen Schwesterverbänden entwickelt der Deutsche Fischerei-Verband daher zur Zeit ein Positionspapier über die Auswirkungen des Brexit für die EU-Fischerei, das im neuen Jahr vorgestellt werden soll.

Verhandlungen mit Grönland und Norwegen abgeschlossen

Ende November fanden in Brüssel die diesjährigen Konsultationen zwischen der EU und Grönland zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten für EU-Fahrzeuge in grönländischen Gewässern für das kommende Jahr statt. Die Grönland-Vereinbarung besitzt für die deutsche Hochseefischerei höchste Priorität, da Deutschland im Rahmen der EU der Hauptquotenhalter für die wichtigsten Arten wie Rotbarsch und schwarzer Heilbutt in der Region ist.

Unter Berücksichtigung der aktuellen ICES-Empfehlungen wurden die Quoten für pelagischen und demersalen Rotbarsch gesenkt, die Quote für Schwarzen Heilbutt in den Gebieten Grönland Ost und West bleibt auf dem Niveau von 2016.Vier Schiffe der deutschen Hochseeflotte werden diese Quoten befischen. Die Perspektive bezüglich der Fanggebiete Grönland und NAFO wird von der Hochseefischerei für das kommende Jahr als zufriedenstellend bezeichnet.

Die Norwegen-Verhandlungen konnten am 2. Dezember 2016 ebenfalls mit einem akzeptablen Ergebnis abgeschlossen werden. Dies betrifft sowohl die pelagischen wie auch die Grundfischbestände. Sehr erfreulich ist, daß die wichtige Kabeljau-Quote in der norwegischen Zone um 15 Prozent angehoben wurde. Die Kabeljau-Quote unter Spitzbergen entspricht der Menge des Vorjahres. Beide Bestände werden von vier deutschen Hochseetrawlern unter MSC-Kriterien befischt.

Im pelagischen Sektor werden auf Basis der nachweislich guten Bestandssituation die Quoten für Makrele, Blauen Wittling und Atlantoscandischen Hering angehoben. Quotenreduzierungen sind bei Nordseehering zu erwarten.

Zwei neue Trawler laufen vom Stapel

Im November sind zwei neue Trawler der Deutschen Fischfang-Union (DFFU) in Danzig vom Stapel gelaufen. Die beiden Schiffe "Cuxhaven" und "Berlin" sind 80 Meter lang und mit Grundschleppnetzen für den Fischfang vor Grönland, Spitzbergen und Norwegen ausgerüstet. Die Trawler mit einer Kapazität von 25.000 Kartons fahren nun von Danzig aus nach Norwegen, wo der Innenausbau finalisiert wird. Die Indienststellung ist für Mitte nächsten Jahres geplant. Im Zuge der Modernisierung der deutschen Fischfangflotte werden dann auch zwei Trawler ausgeflaggt.

Foto: DFFU

Mehrzahl der deutschen Fischfänge MSC-zertifiziert

In 2016 betrug der Anteil der MSC-zertifizierten Anlandungen an den Gesamtfängen der deutschen Hochseefischerei in europäschen Gewässern 72,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr konnte der Anteil durch die Re-Zertifizierung der Makrelenfischerei um 27,6 Prozent erhöht werden. Dies ist im europäschen Maßstab ein Spitzenwert und unterstreicht die Bemühungen der deutschen Hochseefischer zur Ausübung einer nachhaltigen Fischerei. Die wichtigsten pelagischen Fischereien auf Hering in der Nordsee, Atlantoscandischen Hering, Makrele und Blauen Wittling sind zertifiziert. Im demersalen Sektor ist der komplette Weißfischfang (Kabeljau, Schellfisch und Seelachs) in der Nordsee und in norwegischen Gewässern inklusive Spitzbergen MSC-zertifiziert. Alle Audits konnten in 2016 erfolgreich abgeschlossen werden.

Essen wir zuviel Fisch? Kai-Arne Schmidt zu Gast beim NDR

Für das kommende Jahr hat die EU die Fangquoten für den Dorsch in der westlichen Ostsee um 56 Prozent und in der östlichen Ostsee um 25 Prozent gesenkt. Im NDR sprachen Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), der Meeresbiologe Rainer Froese und Kai-Arne Schmidt vom Verband der Kutter- und Küstenfischer über die Frage "Essen wir zu viel Fisch?". Ein von manchen gefordertes temporäres Fangverbot für den Dorsch hält Schmidt für weit hergeholt: "Wenn wir zwei Jahre lang überhaupt nicht fischen sollten, gäbe es zwei Jahre lang keinen Dorsch, keine Infrastruktur an Land und danach auch keine Besatzung mehr, weil sich die Mannschaft in der Zwischenzeit einen anderen Job suchen würde. Der Verbraucher würde ebenfalls auf Ersatzprodukt ausweichen. Den Dorsch dann nach zwei Jahren wieder in die Kette einzugliedern halte ich für sehr unwahrscheinlich. Dann brauchen wir nach zwei Jahren gar nicht mehr anzufangen."

Die ganze Sendung können Sie hier nachhören.

NEAFC trifft Maßnahmen für das kommende Jahr

Die Kommission für Fischerei im Nordostatlantik (NEAFC) hat im November wichtige Erhaltungs-und Bewirtschaftungs-Maßnahmen für 2017 verabschiedet. Unter anderem ging es bei dem Treffen in London um den Schutz von Tiefseearten und den Kampf gegen illegale, nicht gemeldete und unregulierte (IUU) Fischerei. Zudem wurden Erhaltungsmaßnahmen für den Blauen Wittling, Hering, Makrele und Rotbarsch in der Irminger See und den Rockall-Schellfisch beschlossen. Auf Initiative der EU wurde sich darauf geeinigt, die gezielte Fischerei auf Tiefseehaie, Rochen und Seekatzen sowie Dornhaie zu untersagen. Auch die Fischerei auf den Riesenhai und den Heringshai bleibt verboten. Das von der EU räumlich und zeitlich festgelegte Fangverbot des Blaulengs wurde ebenfalls angekommen.

Die deutsche Hochseefischerei begrüßt die Beschlüsse der NEAFC Jahrestagung. Dies betrifft insbesondere die Einigung zu einer Quote für den Fang von pelagischen Rotbarsch in der Irminger See mit den damit verbundenen Ausweitungen der Verpflichtung zur Beprobung durch wissenschaftliche Observer und der Erarbeitung eines langfristigen Managementplanes für diesen Bestand im kommenden Jahr.


Alle Trawler auf See

Hier finden Sie eine kurze Übersicht, wo die Schiffe der Deutschen Hochseefischerei gerade im Einsatz sind.

Foto: DFFU

Schiff Fischfanggebiet Fischart
ROS 777 Mark Saisonende/ Ijmuiden  
ROS 171 Maartje Theadora  Englischer Kanal Hering
ROS 785 Helen Mary Englischer Kanal Hering
ROS 170 Annie Hillina Englischer Kanal Hering / Holzmakrele
BX 791 Jan Maria Englischer Kanal   Hering
ROS 786 Gerda Maria Saisonende/Bremerhaven  
NC 105 Kiel Saisonende/Cuxhaven  
NC 100 Baldwin Saisonende/Cuxhaven  
NC 308, NC 309, NC312, NC 315, NC322 Südlichen Nordsee (Norweger Gebiet) Seelachs / Kabeljau

They Draw and Cook

Die beiden Geschwister Nate Padavick und Salli Swindell sammeln auf ihrer Webseite theydrawandcook.com wunderschön gezeichnete Rezeptbilder aus aller Welt. Wir stellen Ihnen hier die beliebtesten Fischrezepte vor - heute ein traditionelles italienisches Weihnachtsmenü mit sieben verschiedenen Fischarten.

Illustration von Allie Harju, mit freundlicher Genehmigung von They Draw & Cook.


Gesichter der Hochseefischerei

In dieser Rubrik präsentieren wir Ihnen in jeder Ausgabe ein neues Gesicht aus der deutschen Hochseefischerei. Lesen Sie in dieser Ausgabe ein Interview mit Eckhard Leu, Fischereibiologe der BLE.

Foto: Eckhard Leu

Worin besteht Ihre Aufgabe als wissenschaftlicher Beprober am Thünen-Institut?

Meine Aufgabe ist es, Daten direkt an Bord der Berufsfischer über die Fangzusammensetzung, Größen- und Altersstruktur der Fänge zu erheben. Dabei geht es um Daten für alle Flottensegmente auf verschiedensten Schiffstypen – von der Hochsee bis hin zur kleinen Küstenfischerei. Mit weiteren sechs Kollegen sind wir von Hamburg aus auf den kommerziellen Fischereischiffen im Einsatz.

Als Fischereiforscher verbringen Sie einen Großteil Ihrer Zeit auf See. Wie sieht Ihr Alltag auf dem Schiff aus?

Sehr unterschiedlich. Es kommt auf die Schiffsgröße und somit Besatzungsstärke an. Man arbeitet zusammen bis der Fisch im Laderaum ist, die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen und wenn es die Zeit erlaubt, wird auch mal geklönt. Der Alltag wird immer durch die Fänge bestimmt, wann das Netz gehievt wird, wann ich an den nächsten Fang komme um hier biologische Proben zu nehmen.

Welche Informationen sammeln Sie und wie tragen diese zu einem nachhaltigen Fischereimanagement bei?

Neben unseren Erhebungen auf eigenen Fischereiforschungsschiffen sind die Fänge der kommerziellen Fischerei die wichtigste Grundlage für die wissenschaftliche Einschätzung des Bestandszustandes und die Fangquotenempfehlungen. Hier ist nicht nur wichtig, die Gesamtfangmenge zu kennen. Auch der Arten-Mix, die Demografie – also der Altersaufbau der Bestände – das Verhältnis von Männchen zu Weibchen und die individuelle Größe und Gewicht sind wichtige Daten, und essentielle Bausteine für die Abschätzung der Bestandsgrößen und Prognosen. Es werden alle Daten benötigt und diese sind auch zwingend erforderlich um entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen.

Wissenschaftliche Empfehlung basieren in der Regel auf Stichproben. Inwiefern könnten Erfahrungen der Fischer auf See zu einem besseren Bild über die Gesundheit der Bestände beitragen?

Die Fischer wissen wo sie welchen Fisch fangen müssen. Das liefert wertvolle Informationen für wissenschaftliche Analysen über die Verbreitungsgebiete der Fischbestände. Auch bei der Verbesserung von Fanggeräten und Netzen sowie der Erarbeitung von Forschungsfragen und -programmen macht es Sinn, die täglichen Erfahrungen und Beobachtungen der Fischer einfließen zu lassen. Nicht zuletzt basieren unsere wissenschaftlichen Bestandsabschätzungen und Prognosen auf Anlandedaten der kommerziellen Fischerei.

Ich bin davon überzeugt, dass die Fischer wissen, wie wichtig ihre Zusammenarbeit mir der Forschung ist um die Gesundheit der Fischbestände zu erhalten, damit sich auch nachfolgende Generationen von der natürlichen Ressource Fisch ernähren können. Wichtig ist dabei auch, dass die Fischer bereit sind, belastbare Angaben, zum Beispiel zum Discard, in das elektronische Logbuch einzutragen.

Wie kann moderne Ausrüstung an Bord das Fischereimanagement verbessern – können Sie Beispiele nennen?

Die moderne Echolottechnik, eine Entwicklung mit dessen Hilfe die Fischer den Fischansammlungen besser nachspüren können, ist sowohl für die kommerzielle Fischerei als auch für Fischereimanagement und -forschung sehr hilfreich. Uns Forschern hilft es, Fischmengen im Meer besser bestimmen zu können, ohne die Fische fangen zu müssen. Weitere Beispiele sind die Weiterentwicklung von Netzen und Netzmaterialien, die heute wesentlich effizienter und selektiver fangen als vor 50 Jahren. Dadurch kann zum Beispiel Discard verringert werden, wordurch wir wiederum genauere Empfehlungen ausprechen können. Ein Beipiel hierfür sind in Netze eingebaute "Fluchtfenster", die untermaßige Fische wie Kabeljau und Seelachs wieder aus dem Netz befördern.

In den Medien 

Claus Ubl, Medienreferent des Deutschen Fischerei-Verbandes, stellt interessante Veröffentlichungen über Nachhaltigkeit und Fischerei vor, heute mit einem Buch-Tipp:

"Ein sehr interessantes Buch über die Entwicklung in der deutschen Hochseefischerei aus der Sicht der Kapitäne, in dem viel Wissenswertes über die Hochseefischerei zu finden ist. Man erfährt, wo die Fanggründe liegen, welche Fanggeräte eingesetzt werden und wie sich die Fischereifahrzeuge technisch entwickelt haben. Dazu gibt es jede Menge Bilder von Kapitänen, Schiffen und der Fischerei. Mein Tipp: Dieses Buch eignet sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk."
Günter Kröger: Kapitäne der Deutschen Hochseefischerei, 383 Seiten, Unsfisch Verlag, ISBN: 978-3-9812869-5-3, 39,90€

 

Fisch-Ticker: Nachrichten aus dem Netz

The Fish Site: Sofortiges Rückwurfverbot könnte das marine Ökosystem destabilisieren Weiterlesen

Umweltbundesamt: Erster Runder Tisch gegen Meeresmüll Weiterlesen

MSC: Kantine des Umweltministeriums serviert zertifizierten Fisch Weiterlesen

The Fish Site: Dronen werden zur Überwachund von illegaler Fischerei eingesetzt Weiterlesen

The Fish Site: EU-Kommission und Industrie diskutieren über Sozialstandards Weiterlesen

 

Termine

12.-13. Dezember 2016 – Rat für Landwirtschaft und Fischerei (Brüssel)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fotos: MSC (Moin, moin!); Privat (In den Medien / Gesichter der Hochsee); DFFU (Aus dem Verband), Unsfisch Verlag (In den Medien)

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