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"Der Hochseefischer" ist der kostenlose E-Mail-Newsletter des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes e.V.

Moin, moin!

Von Dr. Uwe Richter, Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes

Schaut man auf die Fangergebnisse, war das vergangene Jahr für die Reedereien der Hochseefischerei sehr zufriedenstellend. Die politische Entwicklung und insbesondere die Einführung des Rückwurfverbotes seit dem 1. Januar 2015 bereitet der Branche allerdings nach wie vor Sorgen, weil die Implementierung ohne eine ausreichende Anpassung weiterer gesetzlicher Regelungen erfolgt.

2015 fischten sieben Schiffe unter deutscher Flagge. Am 26. Mai 2015 wurde der erste Neubau der deutschen Hochseefischerei seit 1996 in Sassnitz auf den Namen „Mark“ getauft. Der Trawler lief im Juni 2015 zu seiner ersten Fangreise aus. Auch die Deutsche Fischfang-Union schloss zwei Neubauverträge ab. Die Schiffe werden 2017 in Dienst gestellt werden. Die Modernisierung der deutschen Hochsee-Flotte wird also weiter fortgesetzt.

Die Reedereien beteiligen sich aktiv an der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten zur bestandserhaltenden Fischerei. Das MSC-Zertifikat für Kabeljau, Seelachs und Schellfisch in der Nordsee und Norwegen wurde wie auch für Hering in Nordsee und Norwegen um ein weiteres Jahr verlängert. Ein Zertifizierungsverfahren für den Blauen Wittling wurde begonnen.

2015 fand ein zeitlich begrenzter Fangeinsatz vor der marokkanischen Küste mit guten Fangerfolgen statt. Ermöglicht wurde der Einsatz durch interne Quotenvereinbarungen mit den Niederlanden und Irland. Auch im Südpazifik wurde von den EU-Mitgliedstaaten ein Quotenpooling vereinbart. Die gesamte EU-Quote wurde auf zwei Mitgliedsstaaten übertragen, um die Wirtschaftlichkeit der Fangeinsätze zu erhöhen. In diesem Jahr wird sich auch wieder ein deutscher Trawler an der Pazifikfischerei beteiligen.

Die Fangquoten für 2016 (siehe unten) lassen auch in diesem Jahr auf einen erfolgreichen Fang hoffen.

Dies ist ein Auszug aus dem Jahresbericht der deutschen Hochseefischerei. Den vollständigen Bericht können Sie auf der Webseite des DHV einsehen.

Aus dem Verband

Fangquoten für 2016 beschlossen

Die Fangquoten für 2016 sind Ende des letzten Jahres verabschiedet worden. Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die Fangmöglichkeiten der Hochseefischerei anhand der wichtigsten Bestände:

Bestand Fischfanggebiet EU-Quote (Tonnen) Dt. Quote (Tonnen) Veränderung 2016/2015
Hering Nordsee 367.952 56.294 +18,8%
Makrele Nordsee/westbritische Gewässer 388.828 23.341 -15,0%
Holzmakrele Nordsee/westbritische Gewässer 116.671 8.613 +23,4%
Blauer Wittling Nordsee/westbritische Gewässer 207.657 12.327 +5,3%
Schwarzer Heilbutt Grönland Ost und West 6.440 6.214 +10,7%
Kabeljau Grönland 2.100 1.718 +5,0%
  Norwegen 17.547 2.120 -20,4%
  Spitzbergen 33.176 6.450 -3,1%
Seelachs Norwegen 2.550 2.040 0%
Rotbarsch Grönland; NEAFC 4.063 3.519 -16,3%

Für eine gute Auslastung der Flotte sorgen zudem die neu abgeschlossenen Drittlandsabkommen (siehe unten). Ziel der europäischen Fischereipolitik ist es, alle europäischen Fischbestände bis 2020 nachhaltig zu bewirtschaften. Während dies 2009 nur auf fünf Bestände zutraf, werden die Reformmaßnahmen dazu führen, dass im kommenden Jahr insgesamt 36 Bestände nach den MSY-Kriterien befischt werden.

Fischereiabkommen mit Grönland, Norwegen, Marokko und Mauretanien beschlossen

Neben den Fangquoten wurde 2015 auch über wichtige Drittlandsabkommen entschieden. Die Nördlichen Fischereiabkommen mit Grönland und Norwegen sind besonders wichtig für die deutsche Hochseefischerei. Mit Grönland wurde ein neuer Fünfjahres-Vertrag abgeschlossen, der für mehr Planungssicherheit für die deutschen Fischer sorgt. Das Abkommen zwischen der EU und Norwegen wird jährlich erneuert.

Auch die Fischereiabkommen mit Marokko und Mauretanien wurden neu verhandelt. Europäische Schiffe erhalten durch diese Abkommen Fangrechte in den jeweiligen Hoheitsgewässern. Im Gegenzug werden die Partnerländer beim Aufbau eines nachhaltigen Fischereimanagements unterstützt und bekommen finanzielle Hilfe für den Aufbau der lokalen Fischereiwirtschaft und -kontrolle. Die deutsche Hochseefischerei wird die Fangmöglichkeiten auch in diesen Gebieten in Anspruch nehmen.

Weitere Informationen zu den Drittlandsabkommen mit Marokko und Mauretanien finden Sie in dem Interview mit der Europaabgeordneten Ulrike Rodust (SPD) am Ende dieses Newsletters.

DFFU: Kiellegung zwei neuer Trawler in Norwegen

Die Modernisierung der deutschen Hochseefischerei-Flotte geht auch in diesem Jahr weiter. Die Deutsche Fischfang-Union (DFFU) hat 2015 zwei neue Trawler für die Grundschleppnetzfischerei in Auftrag gegeben, welche 2017 in Dienst gestellt werden sollen. Kiellegung (Baubeginn) des ersten Schiffs war am 11. Dezember 2015. Bereits im Februar 2017 soll der Trawler das erste Mal auslaufen. Gebaut werden die beiden 80 Meter langen und 16 Meter breiten Schiffe in der Kleven-Werft in Norwegen. Heimathafen wird Cuxhaven sein.

Tiefseefischerei: „Ein Fangverbot ist kontraproduktiv“

Die Europäische Union streitet derzeit über eine neue Verordnung zur Tiefseefischerei im Nordostatlantik. Kernelement der Verordnung ist die Einführung eines Verbots von Tiefseeschleppnetzen und Tiefseestellnetzen ab einer Tiefe von 800 Metern. Kathryn Stack, Geschäftsführerin des EU-Verbandes Europêche kritisiert die 800-Meter-Grenze als willkürlich und spricht sich für eine praxisgerechtere Lösung aus:

"Auch für Europêche steht die nachhaltige Nutzung von Tiefsee-Fischbeständen und eine Verbesserung der wissenschaftlichen Informationen über die Bestände im Vordergrund. Ein Fangverbot für die Tiefsee wäre allerdings unverhältnismäßig und kontraproduktiv.

Nicht alle Gebiete ab einer bestimmten Tiefe stehen automatisch unter Naturschutz. Ein Fangverbot in dieser Region erhöht lediglich den Fischereidruck in anderen Regionen, da sich Fischer dann neue Fangebiete suchen müssen.

Die derzeit diskutierte Grenze von 800 Meter ist zudem willkürlich festgelegt und hat keine wissenschaftliche Basis. Ein Gesetz mit so schwerwiegenden Auswirkungen auf die Tiefseefischerei sollte auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren. Der Schwarze Heilbutt wird zum Beispiel in EU-Gewässern auf einer Tiefe von 900 Metern gefischt, in NAFO-Gewässern auf 1.400 Metern. Schließlich können viele der genannten alternativen Fischfangmethoden, beispielsweise Langleinenfischerei, nicht von EU-Trawlern angewendet werden. Auch Fischarten wie den Seeteufel kann man mit dieser Methode nicht in der erforderlichen Menge fangen.

Europêche fordert daher eine praxisgerechtere Lösung, die die betroffenen Regionen schützt und die Befischung nicht auf neue, noch unbefischte Gebiete ausweitet. Nur so können wir Fischereimanagement und -monitoring nachhaltig und zukunftsorientiert gestalten.“

Kathryn Stack ist Geschäftsführerin von Europêche (Brüssel). Sie twittert unter @KathrynStack.


They Draw and Cook

Die beiden Geschwister Nate Padavick und Salli Swindell sammeln auf ihrer Webseite theydrawandcook.com wunderschön gezeichnete Rezeptbilder aus aller Welt. Wir stellen Ihnen hier die beliebtesten Fischrezepte vor. Heute eine italienischen Tri-color Pasta al Tonno.


Illustration von Nita Vleeming, mit freundlicher Genehmigung von They Draw & Cook.


Gesicher der Hochseefischerei

In dieser Rubrik präsentieren wir Ihnen in jeder Ausgabe ein neues Gesicht aus der deutschen Hochseefischerei. Lesen Sie diesmal ein Interview mit Ulrike Rodust, Abgeordnete im Europäischen Parlament für die SPD in Schleswig-Holstein.


Foto: S. Perrine

Die EU verhandelt im Namen der Mitgliedsländer nachhaltige Fischereiabkommen mit Nicht-EU-Ländern. Auch für 2016 bestehen wieder „partnerschaftliche Fischereiabkommen“ mit Marokko und Mauretanien. Was beinhalten diese Abkommen?

Die Protokolle mit Marokko und Mauretanien sind für die europäische und auch für die deutsche Fischerei von besonderer Bedeutung – und sie sind nicht unumstritten. Beide gehören zur neuen Generation von Fischereiabkommen. Das heißt, wir legen an sie die höheren Ansprüche gemäß der Fischereireform an.

Die partnerschaftlichen Fischereiabkommen ermöglichen es den EU-Fischereifahrzeugen in den ausschließlichen Wirtschaftszonen der beiden Länder in einem bestimmten, auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichteten Maße zu fischen. Im Gegenzug zu den Zugangsrechten erhalten Marokko und Mauretanien - neben dem Beitrag der Reeder - einen erheblichen finanziellen Ausgleich für den Zugang zu den Ressourcen. Mit diesem soll auch der Fischereisektor der beiden Länder zielgerichtet unterstützt werden.

Zugang zu den marokkanischen Gewässern haben europäische Schiffe (nach über zweijähriger Pause) seit der Ratifizierung des Protokolls durch Marokko im Juli 2014. Es gilt für vier Jahre, ebenso wie das Protokoll mit Mauretanien. Dies ist im November 2015 zunächst provisorisch in Kraft getreten, da die Zustimmung des Europäischen Parlaments noch aussteht. Die Abstimmung hierzu ist für Juli 2016 geplant.

Wie profitiert die EU von diesen Abkommen? Was bedeutet das Abkommen für die Partnerländer?

Das Abkommen mit Marokko eröffnet bis zu 120 Schiffen aus elf EU Staaten, darunter auch Deutschland, die Möglichkeit in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes zu fischen. Die Fangmöglichkeiten belaufen sich auf insgesamt 80.000 Tonnen für kleine pelagische Arten mit weiteren Fangmöglichkeiten für Grundfischarten, Thunfisch und die kleine Küstenfischerei. Dafür zahlt die EU insgesamt 30 Millionen Euro jährlich, wovon 14 Millionen Euro in die Unterstützung des Fischereisektors fließen.

Das Abkommen mit Mauretanien erlaubt es europäischen Schiffen in den mauretanischen Gewässern bis zu 281 500 Tonnen Garnelen, Grundfische, Thunfisch und kleinen pelagischen Fisch zu fischen. Die finanzielle Entschädigung seitens der EU dafür beläuft sich auf über 59 Millionen Euro jährlich, von denen 4,125 Millionen dazu dienen sollen, die regionale Fischerei zu unterstützen.

Manche NGOs kritisieren, dass einheimische Fischer durch die Abkommen verdrängt werden. Ist diese Kritik berechtigt?

Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns mit dieser Kritik auseinandersetzen. In der Vergangenheit ist das für meinen Geschmack viel zu wenig geschehen. Ich war auf Seiten des Europäischen Parlaments für die Fischereireform verantwortlich und bei dieser Arbeit war es mir sehr wichtig, die Auswirkungen der Europäischen Fischereipolitik auch für Fischer in den Partnerländern im Blick zu haben. Ziel der EU-Reformpolitik ist es, wirklich nur die Überschüsse des jeweiligen Landes abzufischen. Die neuen Protokolle richten die Fangrechte der EU deshalb an wissenschaftlich fundierten Grenzen für nachhaltige Fischerei aus. So wollen wir verhindern, dass EU-Schiffe mit den lokalen Fischern konkurrieren. Mit der gezielten finanziellen Unterstützung des Fischereisektors in den Partnerländern fördern wir zudem dort die Entwicklung einer nachhaltigen Fischerei.

Mir ist außerdem sehr wichtig, dass eine Menschenrechtsklausel in die Protokolle aufgenommen wurde und dass es einen eingebauten Aussetzungsmechanismus gibt, durch den die EU im Falle von Menschenrechtsverletzungen das Protokoll einseitig außer Kraft setzen kann. Im Falle Marokkos ist es wichtig, besonders die Rechte der Menschen im von Marokko besetzten Gebiet der Westsahara im Auge zu behalten.

Die EU sagt ihren Partnerländern mit dem Abkommen auch Unterstützung beim Kampf gegen illegale Fischerei zu. Warum ist das in dieser Region so wichtig?

Der weltweite Kampf gegen illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei bleibt eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre. Die IUU Fischerei ist ökologisch verheerend, verzerrt den Wettbewerb und bestraft ehrliche Fischer. Sie schwächt besonders den Fischereisektor in weniger entwickelten Ländern. Die IUU Verordnung von 2010 und die reformierte GFP geben uns Werkzeuge an die Hand, um die illegale Fischerei einzudämmen: Beispielsweise schwarze Listen für Staaten, die nicht gegen IUU-Fischerei vorgehen und hohe Strafen für EU-Unternehmen, die sich egal wo und egal unter welcher Flagge an IUU beteiligen. Wir müssen diese Werkzeuge noch besser nutzen und Kontrollen ausweiten.

Hinweis: Weitere Informationen über die Aktivitäten der europäischen Hochseeflotte vor der afrikanischen Küste finden Sie in der Broschüre "Behutsamer Fischfang".

In den Medien 








Claus Ubl, Medienreferent des Deutschen Fischerei-Verbandes, stellt interessante Veröffentlichungen über Nachhaltigkeit und Fischerei vor:

dpa: Gutes Jahr für die deutsche Hochseefischerei 

"Ein Jahr nach Start der neuen EU-Fischereipolitik zieht der Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, Uwe Richter, Bilanz über das abgelaufene Jahr." 

Main-Echo: Der Hunger der Deutschen auf Fisch wächst – Discounter mischen den Markt für Frischfisch auf

"Interessanter Artikel zum Siegeszug der Discounter im Frischfisch-Sortiment aus dem Selbstbedienungskühlregal."

Deutsche Schifffahrtszeitung: Parlevliet mit „Sixpack“ in Bremerhaven

"Richtig viel los im Fischereihafen von Bremerhaven. Eine sehr schöne Momentaufnahme."

 

Fisch-Ticker: Nachrichten aus dem Netz

EU und Mauretanien unterschreiben für die kommenden vier Jahre ein nachhaltiges Fischereiprotokoll Weiterlesen

Europêche zu Fanquotenergebnissen 2016 Weiterlesen

EU Projekt SECUREFISH stellt neue Verwertungsmethoden und für Beifang vor Weiterlesen

Europêche und namenhafte Wissenschaftler kritisieren neue NGO-Studie zu weltweiten Fischfangdaten. Die Ergebnisse seien fehlerhaft und irreführend Weiterlesen

 

Termine

14.-16. Februar 2016 – Fish International (Bremen)

26.-28. April 2016 – Seafoof Fair (Brüssel)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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