Copy
Ausgabe 1, Januar 2020

Worum geht es?

Die Initiative Brückensteine Careleaver startete im April 2019 und ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Organisationen, die gemeinsam an der Verbesserung der Situation von Careleavern arbeiten. Careleaver ist die Selbstbezeichnung für junge Menschen, die einen Teil ihres Lebens in stationärer Jugendhilfe – in Heimen oder Pflegefamilien – verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden.

Unsere Vision ist es, dass jeder junge Mensch faire Chancen erhält, seine eigenen Potentiale auf dem Weg ins Erwachsenenleben auszuschöpfen.

Mehr erfahren!


Liebe Leser*innen,

herzlich Willkommen zur 1. Ausgabe unseres Newsletters 2020!

Unser Newsletter erscheint alle drei Monate. Hier erwarten euch Neuigkeiten rund ums Thema Careleaver und Aktuelles aus den Projekten der Initiative.


Leitet unseren Newsletter gerne weiter!
In dieser Ausgabe:

Ihr möchtet gerne wissen, wer hinter der Initiative Brückensteine Careleaver steckt? Aktuell sind 8 Projekte an der Initiative beteiligt. Unter der Rubrik "Wir stellen uns vor!" könnt ihr ihre einzelnen Akteur*innen kennenlernen! Dieses Mal erzählen Carmen Pägelow, ehrenamtlich Engagierte und selbst Careleaver, sowie Alina Kierek von Careleaver Weltweit, was sie motiviert, sich für die Belange von Careleavern stark zu machen.
Was gibt es Neues aus den Projekten und aus der Arbeit von und mit Careleavern? Wie gestaltet sich der Diskurs in Öffentlichkeit und Politik? Welche Veranstaltungen gibt es? Erfahrt es in unseren Rubriken "Zahlen & Fakten", "Aktuelles aus den Medien", "Neues von den Brückensteinen" und "Veranstaltungen & Tipps"!
Wir stellen uns vor!
Carmen Pägelow ist selber Careleaver und engagiert sich seit Beginn für Brückensteine Careleaver – bald auch als Mentorin bei Careleaver Weltweit.

Stelle Dich mit drei kurzen Aussagen über Dich vor.

Ich bin aufgewachsen in einem Kinderheim in Mecklenburg-Vorpommern. Ich bin zweifache Mutter. Und ich bin eine Quasselstrippe! (lacht)

Wie kam es zu Deinem ehrenamtlichen Engagement und was macht daran am meisten Spaß?
Als ich vor 25 Jahren in nur knapp zwei Monaten das Heim verlassen musste, stand ich quasi auf der Straße. Durch das Engagement Einzelner wie Freunde oder Erzieher wurde ich in dieser schwierigen Zeit aufgefangen. Mit meiner Arbeit bei Brückensteine Careleaver möchte ich mich für Careleaver einsetzen. Am meisten freue ich mich auf meine Arbeit als Mentorin bei Careleaver Weltweit.

Weshalb ist es Deiner Meinung nach wichtig, dass Careleaver mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen?
Careleaver bringen besondere Lebensumstände mit sich. Mit dem Auszug aus dem Heim oder der Pflegefamilie sind Sie quasi auf sich gestellt. Sie sollten Unterstützung erfahren und nicht bürokratische Hürden überwinden müssen.


Rechts im Bild: Carmen mit Schwester M. Guda

 
Was ist für Dich das Besondere an der Initiative Brückensteine Careleaver?
Brückensteine Careleaver setzt dort an, wo helfende Hände bspw. durch die Familie für Careleaver fehlen. Sie berücksichtigt dabei verschiedene aber sehr wichtige Themen, wie Arbeit, Wohnung oder Persönlichkeitsentwicklung. Ich finde es gut, dass Careleaver aktiv eingebunden und aus Heimen wie auch aus Pflegefamilien berücksichtigt werden.

Für welche Dinge in Deinem Leben bist Du am dankbarsten?
Am dankbarsten bin ich dafür, dass meine Mutter erkannte, dass sie Hilfe brauchte und mich ins Heim gegeben hat. Dadurch hat sie mir die Grundlage für eine gesunde Entwicklung gegeben, die ich bei ihr so ganz bestimmt nicht bekommen hätte.

 
Welche war die beste Entscheidung in Deinem Leben und welche würdest Du gerne rückgängig machen?
Die beste Entscheidung in meinem Leben war die, eine Familie zu gründen, also meine Kinder! Rückgängig würde ich gern machen, dass ich mit meiner Mutter gebrochen habe als ich 14 war.
Alina Kierek ist Projektmanagerin bei Careleaver Weltweit und betreut Careleaver individuell bei ihrem Vorhaben, ins Ausland zu gehen.

Stelle Dich mit drei kurzen Aussagen über Dich vor.
Ich bin ein sehr proaktiver, offener und herzlicher Mensch. Ich liebe Fahrrad fahren und gutes Essen. Und ich habe ein Faible für Lateinamerika.

Wie ist es zum Projekt Careleaver Weltweit gekommen?
Ich habe selber einen Freiwilligendienst bei einer Careleaver-Organisation in Kolumbien geleistet und bin im Anschluss als Werkstudentin bei der Drosos Stiftung gelandet. Dort haben wir uns intensiver damit beschäftigt und weil es sich um eine strukturelle Benachteiligung handelt, entschieden, dass es ein Stipendienprogramm für Careleaver, die Auslandserfahrungen sammeln möchten, geben sollte. 
Auf Grundlage meiner persönlichen und der Erfahrungen zweier Careleaver, die in Eigenregie einen Freiwilligendienst in Chile und Südafrika geleistet haben, haben wir das Projekt Careleaver Weltweit entwickelt und passen es jetzt nach und nach an.

Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spaß?
Der direkte Kontakt zu unseren „Stippies“ – so nennen wir unsere Stipendiat*innen – wenn sie zu uns nach Berlin kommen und wir Seminareinheiten oder Beratungstermine haben. Und zu sehen wie unser Einsatz sich bei denen, die jetzt schon im Ausland sind, ausgezahlt hat! Das wärmt mir ziemlich das Herz und freut mich total, dass wir Leuten diese Erfahrungen ermöglichen können.
Was ist für Dich das Besondere an Brückensteine Careleaver?
Das Entscheidende für mich ist einerseits, dass unterschiedliche Bedarfe der Zielgruppe abgedeckt werden: wir versuchen alle Hindernisse, die Careleaver auf dem Weg in die Eigenständigkeit haben, zu adressieren. Und andererseits, dass die Projekte so eng miteinander verknüpft sind und im Verbund miteinander arbeiten, um eine stärkere Wirkung zu erzielen und dass das ganze durch arkadiko koordiniert und abgesichert ist. Ich glaube, das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Initiative.

Welche war die beste Entscheidung in Deinem Leben und welche würdest Du gerne rückgängig machen?
Die beste Entscheidung war mich auf den Freiwilligendienst zu bewerben, denn alles was danach passiert ist – dass ich in Kolumbien und in einer Careleaver-Organisation gelandet bin – hat mein ganzes Leben nachhaltig bestimmt. Ich würde keine Entscheidung rückgängig machen wollen, denn alles hat mich dahin geleitet, wo ich jetzt bin. Das ist es auch, was mich so für das Projekt brennen lässt: weil ich erfahren habe, wie viel Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit einem die Auslandserfahrung bringen kann und ich finde nur fair, wenn alle Leute, die das gerne erleben möchten, auch die Chance dazu bekommen. 

Was wird Euer nächstes Vorhaben oder Meilenstein im Projekt?
Das startet gerade schon mit dem Trägerwechsel zur Kreuzberger Kinderstiftung, den wir im Dezember 2019 gemacht haben, denn bisher hatten wir ja nur Auslandsfreiwilligendienste für Careleaver im Angebot. Die Kreuzberger Kinderstiftung hat auch ein großes Stipendienprogramm für jüngere Leute, die ein Schuljahr im Ausland machen wollen und das möchten wir jetzt auch für Carereceiver, also Leute, die sich noch in der stationären Unterbringung befinden, anbieten. Wir glauben, je breiter wir das Angebot an Auslandsformaten gestalten, desto mehr Leute können wir auch erreichen! 
Zahlen & Fakten
Wusstet ihr eigentlich...?
  • dass 2018 in Deutschland fast 235.000 Menschen in der stationären Jugendhilfe untergebracht waren? Diese und weitere Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe 2018 hat das Statistische Bundesamt in 2019 hier veröffentlicht.
     
  • dass junge Menschen im bundesweiten Durchschnitt mit 23,7 Jahren ausziehen, die Mehrheit der Careleaver aber schon mit 18 Jahren das Hilfesetting verlässt?


 
  • dass junge Menschen in der stationären Jugendhilfe im Rahmen der Kostenheranziehung 75 % des eigenen Einkommens (z.B. Ausbildungsvergütung, Schülerjobs) ans Jugendamt abgeben müssen?
Aktuelles aus den Medien

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:
"Eine Inobhutnahme darf kein zufälliges Schicksal sein
Immer häufiger trennen Ämter Alleinerziehende, die Hilfe suchen, vom Nachwuchs - oft wegen einer vermeintlich zu "symbiotischen" Mutter-Kind-Beziehung. Eine Reform muss diesen Trend bremsen." Ein Kommentar von Edeltraud Rattenhuber nachzulesen
hier!

Der Deutschlandfunk berichtet:
"Keine Chancengleichheit – Heimkinder werden häufiger vom Unterricht ausgeschlossen
Die Schulsysteme seien oft nicht vorbereitet auf die Herausforderung im Umgang mit Heimkindern, sagte die Sozialarbeiterin Severine Thomas im
Dlf. Lehrkräfte würden mit der Situation oft allein gelassen, es bedürfe einer engeren Kooperation zwischen den Bereichen Schule und der Kinder- und Jugendhilfe."
Das Interview zum Nachlesen und -hören gibt es
hier!

Zum Thema SGB VIII / Inklusion in der Politik:
"Dialogprozess „Mitreden – Mitgestalten“: Startschuss für den Entwurf eines neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes
Am 10. Dezember 2019 hat Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey in Berlin bei einer Fachkonferenz mit 230 Expertinnen und Experten den Abschlussbericht entgegengenommen und gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Caren Marks erste Ergebnisse ausgewertet. Es ist der Startschuss zur Erarbeitung eines neuen Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes, das die Ministerin im Frühjahr 2020 vorlegen wird." Genauere Infos könnt ihr
hier und auch hier nachlesen!

Neu erschienen:
"Bildung am Rande - warum nur gemeinsam mit Adressant_innen in der Jugendhilfe Bemächtigungsprozesse initiiert werden können" von Ulrike von Wölfel & Björn Redmann (Hrsg.)
Dieses Buch ist entstanden in der Beschäftigung mit Careleavern und der Frage danach, wie wir nachhaltig etwas an der vergleichsweise machtlosen Position von jungen Menschen in der Jugendhilfe ändern können. Der Sammelband widmet sich der Bedeutung von Bildung im Kontext einer kritischen Pädagogik innerhalb der Zivilgesellschaft am praktischen Beispiel der Bildungsarbeit mit Adressat*innen der Kinder und Jugendhilfe. Das Buch erschien im Oktober 2019 bei BeltzJuventa. Bestellen könnt ihr es
hier!

 
Neues von den Brückensteinen
Das Careleaver-Zentrum Dresden arbeitet im 2017 neu gegründeten Bundesnetzwerk Care Leaver Initiativen aktiv mit. In diesem Bundesnetzwerk haben wir in den vergangenen Monaten an einem Positionspapier zur laufenden Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes gearbeitet, um dort die Positionen von Careleavern in das reformierte Gesetz einzubringen. Alle wichtigen Infos können hier nachgelesen werden:  www.careleaverinitiativen.de
 
Das Projekt Careleaver* Kollektiv Leipzig wird in der aktuellen Ausgabe von Grün(AS) Stadtteilmagazin vorgestellt. Dieses kann hier als PDF heruntergeladen werden!
Auf seinem YouTube-Kanal „Karim in India" berichtet Karim, ein Stipendiat im Projekt Careleaver Weltweit der Kreuzberger Kinderstiftung gAG, regelmäßig über seine Erlebnisse als weltwärts-Freiwilliger in Indien. Schaut gerne vorbei und lasst euch inspirieren!
 
Veranstaltungen & Tipps
  • 13.-14.02.: Expert*innenworkshop Care Leaver an Hochschulen in Hildesheim; mehr Infos gibt es hier!
     
  • 01.04.: 2. Thüringer Fachtagung zum Thema „Care Leaving“ im Zinzendorfhaus in Neudietendorf; richtet sich an Thüringer Careleaver*innen, Fachkräfte und Entscheidungsträger gleichermaßen! Impulsreferate und Workshops bieten Anregungen und Erfahrungsaustausch dazu, was in der Praxis getan werden kann, um Careleaver*innen auch in Thüringen den Übergang in ein selbstbestimmtes Leben noch besser als bisher zu ermöglichen. Programm und Anmeldung bis 01.03.2020 unter diesem Link!
     
  • 21.02.: „Be The Change – Gleiche Chancen für Care Leaver“ in Wien; mehr Infos gibt es hier!
     
  • 13.-14.03.: "First International Care Leavers Convention in India" in Indien, organisiert durch Udayan Care in Kooperation mit SOS und Uni Hildesheim; mehr Infos findet ihr hier!
Instagram
Instagram
Facebook
Facebook
Website
Website
Email
Email
Copyright © 2019 Social Impact gGmbH, All rights reserved.

Die Initiative Brückensteine Careleaver wird von arkadiko - Koordinierungsplattform Leaving Care koordiniert.
arkadiko ist ein Projekt der Social Impact gGmbH

Social Impact gGmbH
Schiffbauergasse 7
14467 Potsdam
brueckensteine@socialimpact.eu

Möchtest Du die Einstellungen für den Newsletter ändern?
Meine Daten haben sich geändert oder ich möchte den Newsletter nicht mehr erhalten.
Diese Newsletter wird nicht richtig angezeigt? Hier im Browser ansehen!






This email was sent to <<Email-Adresse>>
why did I get this?    unsubscribe from this list    update subscription preferences
Brückensteine Careleaver · Bundesallee 24 · Berlin 10717 · Germany

Email Marketing Powered by Mailchimp